Kritik zu „SOUL JAZZ FACTOR“

Fetz-Jazz
„Soul Jazz Factor“ spielt im Braunschweiger LOT-Theater zeitlosen Hard Bop

Gemütlicher Seelen-Jazz schien nicht angesagt. Die Musik der fünf Jazzer – drei US-Amerikaner, ein Österreicher, ein Schweizer – sprang einen förmlich an. Satte rhythmische Grundierung durch Joris Dudli am Schlagzeug, Jared Gold am „Hammond-B3“-Keyboard und John Arman an der E-Gitarre. Im Zentrum aber die beiden Bläser Jeremy Pelt (Trompete) und Vincent Herring (Alt-Sax). Ihre spitzigen, rasanten und absolut präzisen Unisono-Riffs, stellten das Thema vor und dann ging es ab in die Improvisation. Dieser Konzertbeginn war gewissermaßen programmatisch, ein wenig durchbrochen durch zwei Balladen und einen Gospelrückgriff.

Eigentlich war es eine Jazz-Zeitreise. Nicht irrsinnig lang zurück, nur fünfzig Jahre, in die Zeit des Hard-Bop. Zum Jazz, der nicht länger abgehoben harmonisch herumfrickeln oder obercool sein wollte, stattdessen einen reflektierten Blick auf die schwarzen musikalischen Traditionen und eine Versöhnung von Kopf und Seele anstrebte.
„Soul Jazz Factor“ machte aber nicht einen auf Retro oder Nostalgie. Etwas überraschend Zeitloses wurde stattdessen am Sonntagabend im sehr gut besetzten LOT-Theater hörbar. Das lag zum einen sicherlich daran, dass man die Hits jener Jahre ignorierte und stattdessen Eigenkompositionen spielte.
Vor allem aber bestachen das Können und die Präsenz der Musiker. Allen voran Vincent Herring, dicht gefolgt von Jeremy Pelt. Meisterhaft der Umgang mit Spannungsauf- und -abbau, mit Veränderungen der Tempogestaltung, der Akzentuierungen innerhalb der Soloparts. Souverän verfügten sie über die Stilmittel unterschiedlicher Jazzgenres. Mit ihnen präsentierten sich zwei sehr angenehm selbstbewusste Musiker. Freilich hätte Herring statt doch sehr weitschweifiger Erläuterungen zu Songtiteln lieber ein Stück mehr spielen können.
Daneben wirkte John Arman fast ein wenig verschüchtert mit seinen tadellosen Akkord- und Einzelsaiten-Soli auf der clean gespielten Jazzgitarre. Jared Gold agierte sowohl hintergründig melodisch, als auch solitisch. Sein Gospel-Intro in „You got soul“ schuf wunderbar die Atmosphäre dieses Hammond-Orgel-Sounds einer amerikanischen Baptistenkirche, um es dann mit wenigen Akkordauflösungen ironisch zu unterlaufen. Ein Meister seines Fachs. Für das alles lieferte Joris Dudli uneigennützig und absolut funktional die Beats. Insgesamt ein tolles Zusammenwirken der Band, was der Publikum hoch erfreute.

Klaus Gohlke

Interview mit Joris Dudli (Soul Jazz Factor)

Musik für Bauch und Seele
„Soul Jazz Factor“ spielt am kommenden Sonntag modernen Jazz im Braunschweiger LOT-Theater

Mit der Gruppe „Soul Jazz Factor“ kommt wieder einmal eine hochkarätige internationale Jazzformation nach Braunschweig. Sie tritt am Sonntag, dem 22.März um 20 Uhr im LOT-Theater auf. Unser Mitarbeiter Klaus Gohlke telefonierte vorab mit ihrem Chef-Komponisten, dem schweizerisch-österreichischen Schlagzeuger Joris Dudli, in seinem Wohnort Wien.

Herr Dudli, was haben wir zu erwarten? Soul oder Jazz oder ein undurchsichtiges Gebräu?

Um das gleich klar zu machen: Wir sind allesamt Jazzer. Unser gemeinsamer Hintergrund ist der Hard-Bop. Wir kopieren doch nicht Wilson Pickett oder James Brown. Soul Jazz meint: die Musik soll Bauch und Seele ansprechen, keine Hirnakrobatik. Alles eigene Kompositionen und ein interessanter Sound schon von der Instrumentierung her: Hammond-B3-Orgel, Sax, Trompete, Gitarre, Schlagzeug. Das gibt Klangfarben, Groove und Flow.

Drei Bandmitglieder kommen aus den USA, einer aus Österreich, Sie sind schweizerischer Österreicher. Eine seltsame Melange, oder?

Ich hab lange in New York gelebt und mit den Amerikanern in verschiedenen Formationen, auch mit vielen internationalen Stars gespielt. Wir kennen uns hervorragend. Neu ist John Arman aus Wien, ein fantastischer junger Gitarrist.

Man sucht „Soul Jazz Factor“ vergeblich in den sozialen Netzen. Nur ein kurzer Mitschnitt aus dem Londener „Ronnie Scotts“ von 1:01 min. Dauer auf YouTube. Ist das nicht riskant heutzutage?

Wissen Sie, der Job als Musiker ist beinhart. Wir müssen alle in verschiedenen Gruppen spielen. Eine feste Band geht aus Kostengründen nicht. Da bleibt keine Zeit mehr für Social Media und Homepage. Aber ein Info-Problem besteht da schon.

Ihr Tourplan ist ja grausam: z.B. Thalwil( Schweiz), Braunschweig, Saarbrücken, Monza (Italien) Jeden Tag woanders. Wie hält man das durch?

Tja, den Plan machen wir nicht. Man muss sehen, wann wo die Clubs bespielbar sind. Das ist schon anstrengend, man wird ja auch nicht jünger. Das geht nur, weil wir uns so gut kennen. Stress ist weg, wenn man spielt und merkt, dass das Publikum anbeißt. Und von Braunschweig wissen wir, dass es ein gutes Publikum hat. Wir freuen uns schon auf das Konzert im LOT-Theater.

SOUL JAZZ FACTOR

LOT-Theater, Kaffeetwete 4a, 38100 Braunschweig

Jeremy Pelt – Trompete
Vincent Herring – Altsaxofon
John Arman – Gitarre
Jared Gold – Hammondorgel
Joris Dudli – Schlagzeug

Die jahrelange Zusammenarbeit von Vincent Herring und Joris Dudli hat mit diesem Quintett einen neuerlichen Höhepunkt erreicht. Dass ihre jüngste CD „True Paradise“ für den Preis der Deutschen Schallplattenkritik 2014 nominiert wurde, dürfte an der Kombination eines extrem virtuosen Hammond B 3-Trios mit dem perfekt eingespielten Bläserteam Herring/ Pelt liegen, das die teils funkigen, teils ohrwurmartigen Arrangements höchst soulig interpretiert.

Jeremy Pelt – tp
Jeremy Pelt hatte schon im Grundschulalter klassischen Trompeten-Unterricht, konzentrierte sich aber später auf den Jazz. Er studierte Jazzimprovisation und Filmmusik an der Berklee School of Music in Boston, wo er den Bachelor of Arts erwarb. Seit seiner Ankunft in New York spielte er mit vielen großen Persönlichkeiten des Jazz: Jimmy Heath, Frank Wess, Charli Persip, Frank Foster, Ravi Coltrane, Ralph Peterson, Nancy Wilson und vielen anderen. Er arbeitete mit namhaften Bands wie dem Village Vanguard Orchestra, der Roy Hargrove und der Duke Ellington Big Band. Zur Zeit ist er Mitglied des Lewis Nash Septetts, der Mingus Big Band und der Cannonball Adderley Legacy Band. Von dem weltbekannten Magazin Downbeat wurde Pelt zwei Jahre nacheinander zum Rising Star auf der Trompete gewählt.

Vincent Herring – as
Herring wuchs in Vallejo in Kalifornien auf, wo er ab 1980 an der California State University studierte, bevor er 1983 nach New York zog. Dort studierte er an der Long Island University und wurde außerdem privat von Phil Woods unterrichtet. Seinen Lebensunterhalt verdiente er sich nebenbei als Straßenmusiker. 1985 bis 1988 war er in der Band von Lionel Hampton, 1987 im Quintett von Horace Silver und 1989 bei Art Blakeys Jazz Messengers. Bekannt wurde er als Mitglied der Nat Adderley-Band, der er von 1987 bis 1993 angehörte. Von dessen Bruder Cannonball wurde er musikalisch wesentlich beeinflusst. Mit 14 Alben als Leader und weit über 100 als Sideman schreibt Vincent Herring schon lange Jazzgeschichte. Bis heute ist er im Louis Hayes und im Kenny Barron Quintett zu hören und spielt auf internationalen Festivals immer wieder in verschiedenen All Star-Formationen wie z. B. „Kind Of Blue“.

John Arman – g
John Howard Arman wurde 1986 in Innsbruck geboren. Dank seiner Eltern kam er früh mit Musik in Berührung und machte seine ersten Bühnenerfahrungen als Sängerknabe im zarten Alter von 4 Jahren. Mit 8 bekam er den ersten Gitarrenunterricht und mit 14 Unterricht am Konservatorium Innsbruck. Nach einigen Jahren im Klassischem Konzertfach wechselte er zum Jazz-Studium, zunächst in Innsbruck und später in Linz in der Gitarren-Klasse von Peter O’Mara.
Es folgten erste Radio- und Fernsehauftritte sowie einige internationale Preise, Engagements u.a. bei Charlie Haynes und Richie Beirach sowie als Vorgruppe von Jim Hall. 2011 beendet er sein Studium mit Auszeichnung und siedelte nach London zum Masterstudium an der renommierten Royal Academy Of Music über, wo er Unterricht bei Phil Robson, John Paricelli, Mike Walker und Pat Martino hatte. Heute hat John Arman seinen Lebensmittelpunkt in Wien.

Jared Gold – org
Seinen Aufstieg zu einem der gefragtesten neuen Organisten in der New Yorker Szene verdankt Gold seiner jahrelangen Hingabe an die Hammond B-3 und deren Ikonen wie Larry Young, Jack McDuff und Don Patterson. Seiner Vielseitigkeit verdankt er die Zusammenarbeit mit vielen etablierten Jazzgrößen wie u. a. Dave Stryker, John Abercrombie, Ed Cherry, Jon Gordon, Oliver Lake, Bill Goodwin, Adam Nussbaum, Jimmy Ponder, Ralph Bowen, Bruce Williams, Cecil Brooks III, Don Braden, Ralph Peterson, William Ash, John Swana, and Tony Reedus. Außerdem hat ihm die langjährige Zusammenarbeit mit dem Posi-Tone-Label schon fünf Alben als Leader beschert.

Joris Dudli – dm
Joris Dudli konnte sich besonders während seines fast zehnjährigen Aufenthalts in
New York vielschichtig musikalisch profilieren. In dieser Zeit legte er auch den Grundstein für seine langjährige Zusammenarbeit mit Vincent Herring. In Österreich hatte er sich schon lange zuvor zunächst im Austropop und später mit dem Vienna Art Orchestra und dem Art Farmer Quintet etabliert. Es folgten unzählige Konzerte mit internationalen Musikern wie Benny Golson, Chico Freeman, Johnny Griffin, Joe Henderson u.v.a. und 2002 auch mit dem Joe Zawinul Syndicate. Über die Jahre hat sich Dudli auch als Komponist einen Namen gemacht. Viele seiner Stücke wurden insbesondere durch die Formation „Earth Jazz“ bekannt.

Karten:
Musikalienhandlung Bartels, Braunschweig, Schlosspassage 1, Tel.: 0531 / 125712
Touristinfo Braunschweig, Kleine Burg 14, Tel.: 0531 / 470-2040
Konzertkasse Braunschweig, Schloss-Arkaden & Schild 1a, Tel.: 0531 / 16606
– Online über eventim
– Abendkasse
– und weitere …

Eintritt: Abendkasse 25 € / 22 € (ermäßigt) / 10 € (SchülerInnen)

Mit freundlicher Unterstützung:
Stiftung Braunschweigischer Kulturbesitz
Kulturinstitut der Stadt Braunschweig

Initiative Jazz Braunschweig e.V.
Datenschutz-Übersicht

Diese Website verwendet Cookies, damit wir dir die bestmögliche Benutzererfahrung bieten können. Cookie-Informationen werden in deinem Browser gespeichert und führen Funktionen aus, wie das Wiedererkennen von dir, wenn du auf unsere Website zurückkehrst, und hilft unserem Team zu verstehen, welche Abschnitte der Website für dich am interessantesten und nützlichsten sind.