Holger Krag: piano
Mirko Herzberg: bass
Ralf Heuer: drums
Lorenz Däubler: sax
Eintritt: frei
Initiative Jazz Braunschweig e.V.
Die Musiker-Initiative seit 1978
Holger Krag: piano
Mirko Herzberg: bass
Ralf Heuer: drums
Lorenz Däubler: sax
Eintritt: frei
free music full blast einmaliges sonderkonzert mit PETER BRÖTZMANN und
WOLFGANG SCHMIDTKE
obwohl vor kurzem 75 jahre alt geworden hat er bei seinem atemberaubenden
spiel nichts von seiner stupenden intensität eingebüsst. Peter Brötzmann
gilt seit der mitte der 60er jahre als eine der exemplarischen grössen der
europäischen free jazz szene. als mit begründer der free music production
und des globe unity orchestra schuf er mit an fundamentalen bedingungen für
eine besondere spielart des jazz. seine lp von 1968 “ machine gun“ erwies
sich als eines der provovierendsten werke der modernen jazzgeschichte
europas. Brötzmann spielte und spielt mit allen wichtigen akteuren (
europäisch und weltweit) des freien jazz. sein aktuelles quartett besteht
aus musikern unterschiedlichen alters aus den usa und gb, das in seinem
zusammenspiel ganz ungewöhnliche aspekte erfahren lässt.
in braunschweig wird er im duo mit WOLFGANG SCHMIDTKE zu hören sein,
wuppertaler , der seit den 1980er jahren in verschiedenen bereichen der
zeitgenössischen musik aktiv ist. das jazz duett mit zwei frei
improvisierenden holzbläsern wird am 11. juni 2016 in braunschweig zu
erleben sein.
LINDENHOF, Kasernenstrasse 20, BS
Beginn 20 uhr Eintritt 15 euro
kontakt und vorbestellung: email[at]galerieaufzeit.de – 0531 270 26 57
„Was heißt Krawall?!“
Die Free Jazz – Legende Peter Brötzmann kommt nach Braunschweig
Einen dicken Fisch hat der Braunschweiger Galerist Hans Gerd Hahn da für seine Veranstaltungsreihe „Freies Improvisieren“ an Land gezogen. Dicker geht es gar nicht! Der Saxofonist Peter Brötzmann, der Übervater des Free Jazz, wird zusammen mit Wolfgang Schmidtke, auch ein Holzbläser, am Samstag, dem 11. Juni im Braunschweiger Lindenhof ein Gastspiel geben. Er ist das Enfant terrible des Jazz. Für die einen ein Jazz-Punk, für die anderen die Verkörperung der Avantgarde. An ihm scheiden sich die Geister. Ein kantiger Typ mit klarer Ansprache. Unser Mitarbeiter Klaus Gohlke befragte ihn zu den Hintergründen und der Einordnung seiner Musik.
Sie gelten als der Regelverletzer in der Musik schlechthin, als der Vater des Free-Jazz. Einverstanden?
Solche Zuschreibungen gefallen mir überhaupt nicht. Ich war das ja nicht allein. Da waren noch Gunter Hampel, Peter Kowald, Alex Schlippenbach usw. Allein geht das gar nicht. Man nennt das Free-Jazz, man braucht eben eine Bezeichnung.
Warum waren Sie so auf Krawall gebürstet?
Was heißt Krawall? In den früher 60er Jahren hatte ich mein Kunststudium fertig. Ich assistierte bei dem wunderbaren koreanischen Künstler Nam Jun Paik, später bekannt für seine Videoinstallationen. Der sagte zu mir: „Du kannst alle Materialien für deine Kunst benutzen. Du musst eine Idee haben, das umsetzen wollen!“ Ich hatte keinen Nerv mehr für formale Regeln in der Musik. Akkordfortschreibungen, Skalen, Melodien und dieses ganze Zeugs. Ich wollte mich nicht länger unterwerfen, ich wollte mich in und mit der Musik ausdrücken, Fragen provozieren.
Aber die Reaktionen? Sie spalten doch das Publikum?
Die einen sagten, wir wären Scharlatane. Für andere war es ein Aus-, ein Aufbruch. Aber Deutschland war schon immer etwas schwierig. In Polen, Holland, Schweden, England, den USA, Japan, auch Afrika war man interessiert. 90 Prozent meiner Auftritte finden im Ausland statt. Die sind toleranter. Die wollen nicht immer dasselbe hören, vor allem: die hören zu und kommen nicht mit Hörschablonen.
Sie gelten immer noch als Jazz-Avantgardist.
Ja, das ist doch paradox. Ich bin 75 und Avantgardist. Das müssten doch die 25-Jährigen von heute sein! Es gibt eine Reihe guter Virtuosen, viele gut ausgebildete Musiker, aber eigentlich zu wenig gute Musik. Die fragen sich, wie sie groß rauskommen können. Ich muss doch aber erst einmal wissen, wer ich bin, was mir die Musik bedeutet.
Sie wirken im Konzert oftmals wie ein Kessel unter Hochdruck. Die Musik bricht aus Ihnen hochenergetisch heraus. Denken Sie beim Spielen noch?
Nein. Denken stört nur. Es muss fließen. Ich mag die körperliche Seite meines Spielens, die intensive Kommunikation mit meinen Mitspielern. Nach dem Spielen bist du fix und fertig, der Kopf ist leer. Aber – wenn es zum intensiven Austausch kommt – dann hat sich das alles gelohnt.
Was wünschen Sie sich für das Braunschweiger Konzert?
Dass die Leute sich herausreißen, verstören, begeistern lassen wollen. Kurz. Ein schönes Konzert.
Peter Brötzmann/ Wolfgang Schmidtke spielen am 11.6. 2016 ab 20 Uhr im Theatersaal des Lindenhofs in Braunschweig. Eintritt Abendkasse 15 Euro.
Zwischen Zähneknirschen und Freude
Die Free-Jazzer Peter Brötzmann und Wolfgang Schmidtke überzeugten ihre Fans
Ziemlich viel Blech und etwas Holz, gebogen und gerade, lag da vor und auf der Bühne für zwei Herren herum, die von Haus aus Holzbläser sind. Saxofone und Klarinetten. Es gab ja den berühmten Rasan Roland Kirk, der gelegentlich zwei Instrumente auf einmal spielte. Aber dafür sind die beiden Akteure des Abends, Peter Brötzmann und Wolfgang Schmidtke, nicht bekannt. Der Braunschweiger Galerist Hans Gerd Hahn hat ein Faible für frei improvisierte Musik und lud ein zum Konzert im Braunschweiger Lindenhof. Wer dort hin kam, wusste, was er tat. Es waren knapp siebzig Gäste, besser Überzeugungstäter. Denn Brötzmanns Musik gilt als frei. Was bedeutete, die ganzen Gesetzmäßigkeiten der Jazzmusik kaputtzuhauen, wie er es im Gespräch drastisch formulierte.Nur wenigen gefiel das damals.
Und vom französischen Kritiker Alain Gerber ist, was Free Jazz betrifft, das Zitat überliefert: „Ich war zerrissen, ausgelaugt, es ging mir schlecht, ich hatte Lust mit den Zähnen zu knirschen. Aber zu gleicher Zeit überkam mich eine ungeheure Freude!“ Freude und Spaß wünschte Galerist Hahn den Zuhörern.
Mit einer Art Urschrei eröffnete Brötzmann auf dem Altsax das Konzert. Es folgten sich immer wiederholende Tonfolgen, ungeheuer kraftvoll, minimal variiert. Durchdringend in den Höhen. Schmidtke am Tenorsax stimmte ein, hatte dann aber anderes vor. Er spielte große Intervallsprünge, wobei ein intensiver Tiefton einen scharfen Kontrast zu Brötzmanns Höhenschreien bildete. Hin und wieder tonale und rhythmische Übereinstimmungen. Aber dann wieder expressive Ausbrüche, die einem externen Hörer wie das Aufschreien von gepeinigten Tieren vorkommen konnte. Schmidtke reagiert musikaisch eher gleichmütig. Intensive Kommunikation sei die Essenz der Zusammenspiels im Jazz, sagte Bötzmann. Was für eine Form von Kommunikation ist das?
Die Improvisationen sind zwischen zehn und zwanzig Minuten lang. Physisch, aber auch von der musikalischen Konzentration her eine beachtliche Leistung, immerhin istl Brötzmann schon 75 Jahre alt ist. Aber er ließ nicht locker. Das Zwiegetön der Tenorsaxofone an anderer Stelle schien dem Gesetz „Immer mehr Töne – immer schneller – immer lauter“ zu folgen. Ist es nicht so etwas wie Thrash-Jazz, was vor allem Brötzmann zelebriert? Er nannte sich ja auch schon mal Prä-Punk.
Wenn man das Ganze auf den Punkt bringen will, kann man sagen, dass das Konzert in Sachen Dynamik keine Abstufungen zeigte, es war nur Ausbruch. Dabei übernahm Schmidtke eine eher traditionelle Rolle. Mitunter meinte man bei ihm Bebop-Phrasen zu hören, Tonleiter-Repetitionen, Melodie-Elemente, also Rückgriffe auf musikalische Modelle, die Brötzmann dann in Schutt und Asche legte. Er setzte Sounds, Klangflächen dagegen, spielte eher modal.
Das Ohr, das in der Regel nach Haltepunkten sucht, nach musikalischen Mustern, hatte da schwer zu tun, war mitunter hilflos. Und: Ein Free-Konzept ist auf die Dauer auch gleichförmig.
Trotzdem: Begeisterung und die erforderliche Zugabe.
Klaus Gohlke
Independent Kunstliedgut von und mit Veras Kabinett – das Quartett um die Berliner Komponistin und Sängerin Vera Mohrs, spielt im Rahmen des Braunschweiger Ästhetik-Kolloquiums »Sinn – Sinnlichkeit – Widersinn II« an der Technischen Universität Braunschweig am Donnerstag den 9. Juni um 20:15 Uhr im Großen Musiksaal, Raum 58.133 A, Rebenring 58, 38106 Braunschweig.Foto: Veras Kabinett
Schaurig-schön, melancholisch, wild und versponnen: Das Quartett um Vera Mohrs präsentiert deutschsprachige Songs aus eigener Feder! Sängerin und Pianistin Vera Mohrs hat ein feines Gespür dafür, nachdenkliche Texte mit Ohrwurm-Refrains und variablen Arrangements zu verbinden. Mal wirkt sie als Chronistin gesellschaftlicher Phänomene, mal sinniert sie über die Zerrissenheit zwischen Aufbruchsstimmung und Klammern am Bekannten. Vera Mohrs schaut hinter Fassaden und beleuchtet Details. Sie entführt uns an nächtliche Tresen oder in die harte Realität der Legehennen-Industrie, bricht aus symbolischen Glashäusern aus oder fährt lustvoll Karussell. Unverhohlen demaskiert sie Illusionen, beschreibt hintergründig den eigenen künstlerischen Antrieb oder zartbittere Einsichten in die Vergänglichkeit. Für musikalische Stimmungskontraste sorgen die Mitmusiker Dominik Lamby (Bass), Hartmut Ritgen (Schlagzeug) und Nils Brederlow (Saxofon). Vera Mohrs studierte Komposition und Klavier bei Julia Hülsmann an der Hochschule für Musik und Theater in Hannover. Seit 2011 lebt sie in Berlin und konzertiert deutschlandweit.