Alfred Hirsch – harp
Tobias Lampe – git
Heinrich Römisch – bass
Niklas Neumann – drums
Eintritt: frei
Initiative Jazz Braunschweig e.V.
Die Musiker-Initiative seit 1978
Charlotte Greve – sax
Manuel Schmiedel – p
Marc Muellbauer – b
Moritz Baumgärtner – dr
Klingt irgendwie anders, dieser Bandname: „Lisbeth Quartett“. Sympathisch und ein wenig lustig. Ja, fast schon wie eine Persiflage auf die im Jazz übliche Nomenklatur aus Bandleader-Name plus Bandmitglieder-Zahl. Dabei ist Lisbeth bzw. Elisabeth einfach nur der zweite Name der Bandleaderin Charlotte Greve. Warum denn nicht „Charlotte Greve Quartett“? Nein, das klänge einfach zu „naja“, so die Begründung der jungen Quartett-Chefin in einem Interview.
Das ist jedenfalls sicher: Das „Lisbeth Quartett“ klingt alles andere als „naja“, vielmehr nach etwas, das man gut kennt… und mag. Den Jazz neu erfinden, nein, das wollen die drei jungen und der eine etwas reifere Musiker definitiv nicht. Stattdessen wollen sie mit einer „leidenschaftlichen Selbstverständlichkeit“ erfrischend leicht anmutenden Jazztiefgang bieten und sich dabei stetig entwickeln.
2009 in Berlin gegründet, mauserte sich das „Lisbeth Quartett“ mit dem Pianisten Manuel Schmiedel, mit Marc Muellbauer am Bass und Moritz Baumgärtner am Schlagzeug schnell vom Geheimtipp zur Qualitätsmarke. 2012 erhielten die vier Musiker den Jazz-Echo als „Newcomer des Jahres“. Da hatten sie bereits zwei Alben veröffentlicht. Das dritte, „Framed Frequencies“, ist 2014 erschienen. Im Vorfeld hatte sich die Band auf ein Konzept geeinigt, das im Jazz nicht unbedingt das übliche ist. Dazu heißt es auf Charlotte Greves Website: „Die Komposition wird nicht auf den Trigger für die Improvisation limitiert, sondern die improvisatorischen Möglichkeiten der einzelnen Protagonisten werden in die Komposition integriert.“
Charlotte Greve und Manuel Schmiedel hat es aus der deutschen Hauptstadt nach New York verschlagen, Moritz Baumgärtner und Marc Muellbauer leben weiterhin in Berlin. Das neue Album bildet somit einen ozeanübergreifenden Austausch ab. Es sei, so die Band, „eine urbane, Kontinente und Generationen übergreifende Schatzinsel der Perspektiven, die sich aus über hundert Jahren Jazzgeschichte für die Zukunft auftun.“ Wir nennen das einfach mal eine ganz besondere „Inselbegabung“.
Karten:
• Konzertkasse Braunschweig,
Schloss-Arkaden & Medienhaus Braunschweiger Zeitung, Tel.: 05 31 / 1 66 06
• Online über eventim
• Abendkasse
Eintritt: Abendkasse 20 € / 18 € (ermäßigt) / 10 € (SchülerInnen)
Mit freundlicher Unterstützung:
Kulturinstitut der Stadt Braunschweig
Verblüffende Klangwelten
Improvisation mit angezogener Handbremse
Das Lisbeth-Quartett verändert das übliche Jazz-Improvisations-Schema
Das war absolut ungewohnt. Ein Jazzkonzert, in dem es – bis auf eine Ausnahme – keinen Zwischenbeifall für Soloparts gab! Ist ja sonst so üblich bei den Jazzern. Es wird ein Thema eingeführt, eine Akkordfolge entfaltet und alsbald geht es über in das Thema-Solo- Schema. Die Band tritt dann in den Hintergrund, der Solist brilliert – Beifall! Und dann die nächste Runde, same procedure…
Damit hat Altsaxofonistin und Komponistin Charlotte Greve mit ihrem Lisbeth-Quartett offenbar nicht viel am Hut. Ihre Kompositionen beginnen in der Regel mit kurzen Tonfolgen, die immer wieder leicht abgewandelt werden, zögerlich-suchend fast. Bass, Piano und Schlagwerk reagieren darauf höchst unterschiedlich. Mal Frage-Antwort-Spiel, mal Unisono, dann vom Takt her verzögert. Es gibt andere Akzentuierungen und Erweiterungen, die sich zu einem immer dichteren Zusammenspiel aufschwingen.
Aus diesem Klanggewebe heben sich – inselartig – Einzelstimmen heraus, ohne dass der Rest der Band pure Begleitung wird. So hebt Charlotte Greve mit ihrem Altsaxofon oft für eine Weile ab mit ungemein beweglichem, variantenreichem, schön artikuliertem Spiel. Währenddessen tun sich Pianist Manuel Schmiedel und Marc Muellbauer am Bass zusammen und verdichten das Ganze mit mal abstrakten, mal sehr harmonischen Dialogen. So hat man dann einen vom Tempo, Rhythmus, der Dynamik, dem solistischen Anteil her ständig wechselnden musikalischen Bewusstseinsstrom. Das alles läuft ohne Effekthascherei mit erstaunlicher Präzision, höchst kontrolliert. Aber – vielleicht etwas unterkühlt?
Ganz verblüffend ist, wie Schlagwerker Moritz Baumgärtner das Arbeitsprinzip der Band auf sein Instrument überträgt. Das klappert, raschelt, knallt, quietscht, klingelt, kratzt, schabt, dämpft, wirbelt. Und dazu braucht es Sticks, Schlägel, Ruten, Besen, Dämpfer, Stäbe, Drähte, Stifte, Geigenbögen. Er ist ein permanenter Unruheherd, ohne das Gesamtkonzept der Aufführungspraxis zu torpedieren.
Medizinisch gesprochen, könnte man sagen, dass insgesamt betrachtet die Wirkung der Musik nicht intravenös (volle Dröhnung), sondern eher subkutan, also unter die Haut platziert, erzielt wird.
Mit einer Ausnahme: Der Zugabe. Da passierte das, was ausgeschlossen schien: Pianist Manuel Schmiedel übernahm explizit die Solistenrolle und spielte wie losgelöst, den Rest der Band mit sich reißend. Und da gab es den bekannten Zwischenbeifall des zahlreich erschienenen kundigen Publikums im Theatersaal des Braunschweiger Lindenhofes.
Klaus Gohlke