Giovanni Guidi Trio

Giovanni Guidi – Piano
Thomas Morgan – Doppelbass
João Lobo – Schlagzeug


Als Förderer junger italienischer Jazztalente hat Enrico Rava nicht nur Stefano Bollani und Gianluca Petrella ins Rampenlicht gerückt, sondern auch Giovanni Guidi, mit dem er das Album „Tribe“ aufnahm. Insbesondere hebt Rava Guidis „grenzenlose Neugier“ und seine „unnachgiebige Raffinesse“ hervor. Guidis Alben sind gekonnte Sammlungen von Eigenkompositionen voller kreativen Wagemuts, bei denen die beiden Mitspieler reichlich Raum zur Entfaltung haben.

Alle drei Musiker haben ein ausgeprägtes Gespür für den Zusammenhall von Klang und Stille. So entstehen besondere lyrische Momente tiefer Reflexion, die große Originalität verraten.

Der Bassist Thomas Morgan ist Amerikaner. Er hat in vielen Bands mitgespielt, darunter in denen von Samuel Blaser, Paul Motian, John Abercrombie und Yoon Sun Choi. Und auch der Schlagzeuger João Lobo hat – trotz seiner relativ jungen Rampenpräsenz – bereits mit einigen großen Namen gespielt, darunter Gianluca Petrella, Roswell Rudd, John Hebert und Michael Attias.

Der Jazz, den diese drei spielen, ist sofort auf nachhaltige Zustimmung gestoßen. So lobt der britische Guardian die Musik des Trios als „ein dynamisches, aber auch eingängiges Programm mit Nummern, die an Paul Bleys frühe Interpretationen von Carla-Bley-Stücken erinnern, mit walzerartigen Balladen, …, mit eisig delikaten Melodien, die nahtlos in sinistre Märsche übergehen. Es mag zwar nur ein weiteres akustisches Jazz-Piano-Trio sein, aber eines, das sich schwungvoll gleich in die erste Reihe spielt.“

Karten:
Musikalien Bartels, 38100 Braunschweig, Wilhelmstraße 89, Tel.: 05 31 / 12 57 12

Konzertkasse Braunschweig,
  Schloss-Arkaden & Medienhaus Braunschweiger Zeitung, Tel.: 05 31 / 1 66 06
– Online über eventim
– Abendkasse
– und weitere …

» Weitere Informationen

Eintritt: Abendkasse 25 € / 22 € (ermäßigt) / 10 € (SchülerInnen)

Mit freundlicher Unterstützung:
GOD Gesellschaft für Organisation und Datenverarbeitung mbH
Öffentliche Versicherung Braunschweig
Kulturinstitut der Stadt Braunschweig

Kritik zu „Giovanni Guidi Trio“

Zurück ist keine Zukunft

Jazz auf der Höhe der Zeit – eindrucksvoll gespielt vom Giovanni-Guidi-Trio

Nee, ne!? Sanfteste Dreiklänge, gefälligste und erwartbare Akkordwechsel. Romantisierend-volksliedhafte Melodien. Erstaunte Blicke im Saal, ungläubiges Hören! Sitzt man in der richtigen Veranstaltung? Das soll zeitgenössischer Jazz sein? Gespielt von einem Trio von größtem Renommee!

Bassist Nicolai Munch-Hansen tupft unbeirrt sanft tieftönige Bestätigungen. Schlagzeuger, nein, diese Bezeichnung ist zu brachial: Fell-und Blechstreichler Joao Lobo schabt und zischelt einen gefälligen Hintergrund. Ja, schön, zugegeben! Das klingt ja alles wunderlieblich.

Wo aber ist der Jazz? Jetzt schabt der Understatement-Trommler unangenehm an seinen Blechen. Der Bassist wird harmonisch diffuser. Und Pianist und Trio-Chef Giovanni Guidi scheint plötzlich abzudrehen. Harmonisch-Einleuchtendes wird zerstört. Dissonantes bricht sich Bahn. Die rechte Hand kreiselt in hohen Lagen, schwere Schläge mit der linken Hand. Was ein Klavier so alles aushält! Das Schlagzeug wird seinem Namen gerecht. Der Bass fügt sich ein. Zusammenhänge sind zerstört, eine völlige Free-Phase. Chaos statt Ordnung, Verstörendes statt Gefälligkeit.

Wie zur Beruhigung danach eine Bearbeitung der Farres-Komposition „Quizas“. Rhythmisch zunächst verschleppt – Guidi ist ein Meister im Umgang mit Tempoveränderungen – blüht das Stück dann auf zu elegant-synkopierter kubanischer Musik. Ein absolut ausgereiftes Zusammenspiel.

Später dann – wie Inseln im Klangkosmos auftauchend – auch Bekanntes. „My funny Valentine“, der alte Jazz-Klassiker. Und: ist das jetzt nicht „Can’t help falling in love“.?
Aber da ist kein Schwelgen in Erinnerungen Die Melodie-Zitate werden entfaltet, dann zunehmend verfremdet und in neue Kontexte gestellt. Gospel, Volksliedhaftes, Bluesphrasen, Mambo, Limbo, Hard-Bop, Filmmusikalisches, Atonales. Doch nicht als pures John Zornsches Fetzenwerk. Die Kompositionen sind strukturiert, die Teilthemen werden entfaltet.

Was das Guidi-Trio betreibt, kann man durchaus als systematische Irreführung der Zuhörer begreifen. Man wird beständig auf musikalische Fährten gelockt, die sich dann als abgründig erweisen.

Die dahinter stehende Idee ist klar. Die Musik – wie die Welt überhaupt – ist unübersichtlich geworden, es helfen keine einfachen Änderungen der Laufrichtung. Zurück ist keine Zukunft. Indem der Jazz diese Unübersichtlichkeit musikalisch aufgreift und anverwandelt, wird er zeitgenössisch. Was – wie die Begeisterung des Publikums zeigte – durchaus als anregend, lustvoll und provokant genossen wurde.

Klaus Gohlke

Initiative Jazz Braunschweig e.V.
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