Jazz und Film in der Reihe „Sound on Screen“

Universum Filmtheater, Neue Straße 8, 38100 Braunschweig

JACOJACO
Regie: Paul Marchand, USA 2015, 111 Min., OmU

Metallica-Bassist Robert Trujillo produzierte diese packende Doku über Ausnahme-Musiker Jaco Pastorius, den „Jimi Hendrix des Bass“, der den E-Bass wie niemand zuvor oder danach revolutionierte und leider viel zu früh tragisch verstarb. Mit Joni Mitchell, Herbie Hancock, Wayne Shorter, Flea, Sting, Geddy Lee, Carlos Santana u.a.
“Before Jaco, bass didn’t know what it was yet.” – Bootsy Collins

Featured by Initiative Jazz Braunschweig!

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Anschließend spielt das Jazzrock-Trio CENTRIFUSION im Riptide auf. Mit Carsten Koloc (Drums), Artur Trzmielewski (Bass) und Bernt Küpper (Gitarre) wird es dynamissch, funky und jazzig…

DAVE HOLLAND TRIO
feat. Kevin Eubanks and Obed Calvaire

LOT-Theater, Kaffeetwete 4a, 38100 Braunschweig

Dave Holland – Bass
Kevin Eubanks – Guitar
Obed Calvaire – Drums

Das Konzert ist ausverkauft

17. Oktober 1993. Staatstheater Braunschweig. Die „Betty Carter All Stars“ waren angesagt. Ein Bassist eröffnete das Konzert. Was für ein Bass: Singend, swingend, elegant-fließend!
Welch Tonbett wurde da bereitet für „BeBop-Betty“, Geri Allen am Piano und Jack DeJohnette am Schlagzeug.
Der Mann am Bass war Dave Holland, ein Brite. Geboren in Wolverhampton, einer englischen Stadt so groß wie Braunschweig, gelegen in den West Midlands. Dort ging er in die musikalische Lehre, die bereits einen Wesenszug des Mannes widerspiegelt: Er spielte alles. Aber auf so besondere Art, dass Miles Davis ihn 1968 direkt aus einem Gig in Londons „Ronnie Scott’s“ nach New York holte. Er befand sich urplötzlich in der Jazz-Superliga als Nachfolger von niemand Geringerem als Ron Carter. Seite an Seite u.a. mit Chick Corea, Wayne Shorter, Tony Williams für Davis‘ fundamentale Alben „Filles de Kilimanjaro“, „In a Silent Way“ und „Bitches Brew“. Fusion-Jazz mit dem Double-Bass und dann mit dem um Effekte angereicherten E-Bass. Grandios. Aber: So sehr er Miles schätzte und die Inspiration genoss – Holland suchte seinen eigenen Weg.
Und wurde zur wandelnden Provokation für alle Jazzzfundis hüben und drüben, die Free-Fanatiker und die Traditionalisten. Er spielte mit Anthony Braxton Avant-Garde-Jazz, mit Stan Getz huldigte er der Tradition. In einem aber blieb und bleibt er sich treu: er spielt den “schweren“, den großen Bass. Dessen Gravitationszentrum sind für ihn das Klangpotential der tiefsten Saiten, die Materialität dieses Riesencorpus und daraus resultierend dann die Bevorzugung der schweren Begleitkontrapunktik, ohne schwer daherzukommen. So ist er einer der inspiriertesten Kollektiv- und Klangimprovisatoren geworden wie neben ihm wohl nur noch Charlie Haden.
Er gründete Trios, Quartette, Quintette, Sextette, spielte zu zweit oder allein, um transparent, offen, gleichwohl formbewusst und ungebunden von harmonischen Festschreibungen Jazz zu spielen.
„Ich spielte mit Bebop-Bands, mit Swing-Bands, Dixieland. Das ist alles Teil der Musikgeschichte. Und ich liebe es noch immer, diese Geschichte wieder zum Leben zu erwecken, indem ich sie unter meiner Perspektive betrachte. Das ist wie Bach wieder spielen, traditionelle Aspekte der Geschichte. Hauptsache sind Ehrlichkeit und Qualität!“, wie er in einem DownBeat-Interview sagte. Und so entwickelte er sich als Sideman und als Leader zu einem der komplettesten Virtuosen seines Instruments. Bester Instrumentalist, bester Jazzkünstler, bester Bandleader, beste CD – welche Ehrung hat er nicht erhalten?
Dafür braucht er gestandene, selbstbewusste Mitspieler. In Braunschweig tritt Dave Holland mit einem Trio auf, in dem
Kevin Eubanks (*1957), ein vertrauter Mitspieler, die Gitarre als Harmonie- und Melodieinstrument spielen wird. Er zeichnet sich durch dichtes, intensives, eher an impressionistischen Einwürfen und linearen Entwicklungen orientiertes Spiel aus statt an verpflichtenden Akkordprogressionen. Er spielte u.a. mit Art Blakey, Roy Haynes, Slide Hampton und Sam Rivers.
Der 33jährige Obed Calvaire (*1982) aus Miami gilt als exzellenter Drummer, der alle sich bietenden Möglichkeiten zu nutzen weiß, ein kreatives Zusammenspiel voranzubringen. Wegen seiner inspirierenden Ausdrucksfähigkeit hat er mit zahlreichen Größen der Jazzmusik auf allen internationalen Festivals gespielt, u.a. mit Wynton Marsalis, Joshua Redman, David Liebman und Richard Bona.

Karten:
Konzertkasse Braunschweig,
  Schloss-Arkaden & Medienhaus Braunschweiger Zeitung, Tel.: 05 31 / 1 66 06
• Online über eventim
• Abendkasse

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Eintritt: Abendkasse 28 € / 25 € (ermäßigt) / 10 € (SchülerInnen)

Mit freundlicher Unterstützung:
Stiftung Braunschweigischer Kulturbesitz
Kulturinstitut der Stadt Braunschweig

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Kritik zu „Dave Holland Trio“

Musikalischer Bewusstseinsstrom
Das Dave Holland Trio beeindruckt im Braunschweiger LOT-Theater

Er hat immer noch britischen Stil! Dave Holland, 69jähriger britischer Jazz-Ausnahme-Bassist. Trotz der über 40 Jahre, die er in New York lebt. Dezent gekleidet, humorvolles Overstatement zu Beginn des Konzertes. Dass Braunschweig nämlich am Sonntagmorgen so wunderbar friedlich sei. Und die Glocken des Domes erst! Aus dem Schlaf heraus der Beginn einer musikalischen Reise! Wie wundervoll!
So friedlich eröffnete auch das seit langem ausverkaufte Konzert. Man wolle übrigens ein Konzert in einem Stück spielen, kündigte Dave Holland noch an, ein Set ohne Ansageunterbrechungen und Pause. Es gebe auch nicht direkt Stücke, eher Ideen, die man entwickle. Man sei selbst gespannt, was dabei herauskomme.
Nun – zunächst eine Basslinie im tiefen Register, gefolgt von einem Ausflug in die Welt der Flageolettöne. Gitarrist Kevin Eubanks folgt den Basstönen, spielt erst parallel, geht dann dazu über, elektronisch verfremdete Klangflächen zu entwerfen. Und Obed Calvaire am Schlagzeug scheint noch zu sinnieren, wohin die Reise gehen soll, bis er plötzlich einen scharfen Beat unterlegt – und aus ist es mit Besinnlichkeit. Das Trio entwickelt sich in einem langen Crescendo zu einem regelrechten Tonkraftwerk, eine Studie in Sachen Dynamik.
Eubanks übernahm oft die Rolle des Einheizers. Angezerrte, repetitive Akkordfolgen, dazwischen unglaublich rasante, scharf akzentuierte Läufe. Mühelose Rückgriffe auf Fusion, Rock, Blues, rhythmisch vertrackt. Allein technisch umwerfend.
Das gilt nicht minder für Obed Calvaire am Schlagzeug. Rhythmische Kontrapunktik, wenn man so will. Da wird mit, gegen, über den Beat gearbeitet, mit der Bass-Drum die Akzente scheinbar beliebig verteilt, dass eine Freude ist.
Und plötzlich ein rasantes Zurückfahren in der Lautstärke und gleichsam entschuldigend mit Augenzwinkern zarte folkloreartige Melodien auf dem Bass und der Gitarre.
Nun, es war Echtzeit-Improvisation, eine Art musikalischer Bewusstseinsstrom. Und das Strukturprinzip blieb gleich: ein musikalischer Kern, der langsam ausgearbeitet wurde, dann die wuchtige Entfaltung mit vielen Schattierungen und – oftmals über Dave Hollands weitgespannte Soli – die Rückkehr in ruhiges Fahrwasser. Besonders schön anzusehen: Die Musiker hatten ihren Spaß dabei, musikalische Ideen zu kreieren, aber auch daran, die der anderen zu erkennen und zu beantworten. Ein wunderbares Aufeinander-Eingehen. Fliegende Stilwechsel vom Swing, über Latin, zu Funk, Post-Bop, sogar Walzer.

Zugegeben, es war nicht der Abend für die, die den Dave Holland mit den wunderbar singenden Basslinien hören wollten – die Zugabe vielleicht ausgenommen. Nichts für die Freunde der Melodie. Hier waren Harmonie-Tüftler am Werke, die Akkorde zergliederten, erweiterten und reduzierten. Klangkontraste entwarfen. Und eben absolute Rhythmiker, die eine große Spielfreude dabei zeigten, immer wieder auszubrechen und dem Erwartbaren nicht zu entsprechen. Ovationen zum Schluss.

Klaus Gohlke

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Initiative Jazz Braunschweig e.V.
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