Duncan Eagles „Partikel“ Quartett

Duncan Eagles – sax, effects
Eric Ford – dr
Max Luthert – b, electronics
David Preston – g

Duncan Eagles Partikel QuartettEs ist fast 25 Jahre her, dass eine Band aus England bei Jazz-BS auftrat. Dabei herrschen auf der Insel – wenn man den Berichterstattern Glauben schenken darf – beneidenswerte Zustände. Zwar ist Jazz kein Massenphänomen, erfährt aber doch breiteren Zuspruch, und zwar gerade bei jüngeren Menschen. Ursache? Sicherlich der sehr ungezwungene Umgang mit Traditionen, Genres, musikalischen und subkulturellen Einflüssen aller Art dort.

Eine Band, die das lebt, ist PARTIKEL aus London. Eigentlich ein Trio des Saxofonisten Duncan Eagles, das diesmal um den Gitarristen David Preston erweitert auftritt.

PARTIKEL gilt als eine der besten Jazzgruppen der Insel, die eine hervorragende Mixtur aus Jazz, klassischen Bezügen und elektronischen Elementen zu einem organischen, homogenen Ganzen verschmelzen. Wie variabel der Ansatz der Band ist, zeigt sich allein schon in der Verschiedenartigkeit der Besetzung. Mal klassisches Sax-Trio, dann als streichergestütztes Oktett, nunmehr als Quartett, das einen Gitarristen als Melodiker und Harmoniker dazu holt. Je nach musikalischem Erkundungsinteresse wechselt die Formation und damit das Terrain, auf dem man sich bewegt.

Gleich bleibt aber der kraftvolle, dichte Sound der Band und das an der Melodie interessierte Abtauchen in so unterschiedliche musikalische Welten wie Bop, Weltmusik, Rock und Neue Musik.

„England swings like a pendulum do! “, sang Roger Miller 1965. Immer noch? “Ja, durchaus!”, sagt Duncan Eagles auf Nachfrage. „Ein bisschen anders als damals natürlich. Für mich entsteht ein Swing-Gefühl, wenn die Musik ehrlich, leidenschaftlich und mit klarer Intention gespielt wird.“ Wir dürfen gespannt sein.

Karten:
Konzertkasse Braunschweig,
  Schloss-Arkaden & Medienhaus Braunschweiger Zeitung, Tel.: 05 31 / 1 66 06
• Online über eventim
• Abendkasse

» Weitere Informationen

Eintritt: Abendkasse 20 € / 18 € (ermäßigt) / 10 € (SchülerInnen)

Mit freundlicher Unterstützung:
Braunschweigische Sparkassenstiftung
Kulturinstitut der Stadt Braunschweig

Kritik zu „Duncan Eagles „Partikel“ Quartett“

Völlig angstfreier Jazz
Duncan Eagles „Partikel“ beeindrucken mit zeitgenössischer britischer Musik

England? Nun, was fällt Ihnen dazu spontan ein? Genau: Brexit, Terror, Finanzplatz. Na klar, auch Fußball! Also Klopp, Özil, Mourinho, Guardiola. Ziemlich englisch, was? Aber „Swinging London“, also Aufbruch, Jugendkultur, weltweiter Impulsgeber, das doch wohl kaum?

Duncan Eagles, Londoner Jazzmusiker, der Freitagabend auf Einladung der Braunschweiger Jazzinitiative im Lindenhof konzertierte, gibt sich diplomatisch zurückhaltend auf entsprechende Nachfrage. „Doch, ich denke schon, dass England immer noch swingt. Jedenfalls, was den Jazz betrifft. Nur, ein klein wenig anders!“

Und sie ließen es swingen, aber in einem sehr, sehr übertragenen, mit traditioneller Swingmusik nicht zu verwechselnden Sinn. Es war Gegenwartsjazz, der Angst vor gar nichts hat. Genre-Rück- und Übergriffe durchziehen die Kompositionen. Stilelemente des Blues, des Prog-Rocks werden ebenso verwendet, wie man Anspielungen auf klassische Musik angedeutet findet. Man bewegt sich mal in der Second-Line einer New-Orleans-Marching Band, dann wieder – unterstützt von Laptop-generierten impressionistischen Radiogeräuschen – im quirligen Gewusel einer chinesischen Großstadt. Mal Modern-Jazz, mal Electronica-Einsätze, die durch Hall-, Echo-, Harmonizer- und Sampling-Einsatz nahezu orchestrale Atmosphäre entstehen ließen.

Man könnte das nun als prinzipienloses Musizieren bewerten, aber das griffe zu kurz. Freilich: Der Jazzliebhaber, für den die Abfolge Thema – Improvisation – Thema mit erkennbarem Rückbezug auf harmonisch-melodische Strukturen das Maß aller Dinge ist, kann sich mit dieser Musik kaum anfreunden. Die Kompositionen aber haben es in sich. Der permanente Wechsel zwischen Gruppenzusammenspiel, Monologen und Dialogen, der mal soundorientiert ist, dann wieder völlig transparente Klänge herstellt, ist spannend.

Die Stücke haben absolut nachvollziehbare Strukturen. Oftmals werden Harmonien reduziert. Duncan Eagles am Tenorsaxofon konzentriert sich dabei auf zwei, drei Töne nur. Immer wieder leicht verändert, um dann im weiteren Verlauf diese komplex ins Offene auszuweiten. Seine Loop-Ausflüge waren allerdings nicht unbedingt vertiefend. Eric Ford, das Schlagzeug-Power-Pack, vermochte diese Spannungen präzise zu akzentuieren, Zurückhaltung war nicht unbedingt sein Ding. Wunderbar kontrastiv Max Luthert am Bass: Beinahe traditionell oft seine haltgebenden ostinaten Figuren und einfühlsamen Tiefton-Exkurse. Und David Preston an der Gitarre – er brauchte eine Weile des Sich-Aufwärmens und hätte mitunter schneller auf den Punkt kommen sollen – schuf hintergründige Klanglandschaften oder provozierte Eagles mit seinen Soli.

Das hatte alles Hand und Fuß und war sehr spannend. Folglich: man kann zu England nach diesem Konzert durchaus sehr Angenehmes assoziieren: spannende, scheuklappenfreie Jazzmusik. Deshalb zu Recht viel Beifall.

Klaus Gohlke

Initiative Jazz Braunschweig e.V.
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