Opener: The Brothers of St. John
Jens Windeler – ts
Marcus Lewyn – b
Detlef Hase – dr
Hans Werner Schumacher – p
Eintritt: frei
Initiative Jazz Braunschweig e.V.
Die Musiker-Initiative seit 1978
Opener: The Brothers of St. John
Jens Windeler – ts
Marcus Lewyn – b
Detlef Hase – dr
Hans Werner Schumacher – p
Eintritt: frei
Eine Jazz-Super-Group gastiert am 23. April im Braunschweiger LOT. Der dänische Ausnahme-Gitarrist Jakob Bro hat eine der heißesten Rhythmusgruppen um sich geschart: Thomas Morgan am Bass und Joey Baron am Schlagzeug spielen alles und überall auf der Welt. Was die Braunschweiger Jazzfans erwartet, erkundete unser Mitarbeiter Klaus Gohlke im Telefon – Interview mit dem Kopenhagener Musiker.
Jakob, ihr habt beim Edel-Label ECM zwei CDs eingespielt. Ihr tourt erfolgreich durch die Welt. Was fasziniert die Leute an eurer Musik?
Das sind zwei Dinge, die miteinander zusammen hängen. Zum einen schreibe ich gern kleine, einfache Melodien. Einfach heißt nicht oberflächlich und banal. Mir liegt daran, dass die Zuhörer sich in den Melodien zurecht- und wiederfinden können. Andererseits meint einfach, dass meine beiden Mitspieler Raum genug finden, auf vielfältigste Weise kreativ mit diesen Melodien umzugehen. Es geht also um Offenheit.
Mir scheint, dass deine Musik aber auch große Zeithorizonte eröffnet. Entschleunigst du die Musik absichtlich?
Das ist kein Programm. Aber es stimmt schon. Klänge und Stimmungen brauchen Zeit, sich entfalten zu können. Sowohl wir als Musiker, aber genauso die Zuhörer müssen Zeit haben, den entstehenden Eindrücken nachgehen zu können. Das widerspricht durchaus dem Zeitgeist, der von Hektik geprägt ist.
Könnte man dich als Ton-Maler bezeichnen, als musikalischen Impressionisten?
Ja, das ist ein schönes Bild. Aber ich bin das nicht im strengen Sinne des ausgehenden 19. Jahrhunderts. Ich liebe schon tonale und rhythmische Offenheit. Es geht mir um Klangfarben, die wir erzeugen und variieren können. Um vielfältige musikalische Einflüsse. Aber immer orientiert an Melodien.
Die Jazzliebhaber sagen oftmals über deine Musik: „Ja, sehr schön. Aber ist das Jazz?“
Ich denke über so etwas nicht nach. Mein Vater brachte mir die Bigband-Musik nahe. Ich selbst war beeindruckt vor allem von Trompetern und Saxofonisten. Armstrong, später Tomasz Stanko, Jan Garbarek. Die Rhythmiker inspirierten mich. Ich höre Klassik, Rock. Eben gute Musik. Ich liebe Kreativität, Spannung und Aufregendes. Es gibt keine Vorgaben, stattdessen einen freien Ansatz. Das ist für mich Jazz. Die Schublade interessiert mich nicht.
Ihr habt im April/ Mai 18 Konzerte in 18 Tagen. die finden in England, Deutschland, Ungarn, Dänemark, Österreich und der Schweiz statt. Einer Woche später fliegt ihr nach Japan. Wie stehst du das durch?
Das geht nur mit so wunderbaren Musikern, wie es Joey und Thomas sind. Und mit einem einfühlsamen Publikum, wie wir es immer wieder erleben. Ich denke, das wird auch in Braunschweig so sein.
Das Jakob-Bro-Trio spielt am 23. April 2017 im LOT-Theater Braunschweig, Kaffeetwete 4a um 20 Uhr. Vorkauf an den üblichen Vorverkaufsstellen und über Eventim im Internet. Abendkasse: 25/22/10 Euro.
Jakob Bro – Gitarren
Joey Baron – Schlagzeug
Thomas Morgan – Bass
Wäre der Begriff nicht so belastet, könnte man das Jakob Bro Trio eine kleine Supergroup nennen. Jakob Bro, Top-Gitarrist aus Dänemark (Composer of the Year und Album of the Year 2016), Joey Baron, US-Multi-Stilist an den Drums, bekannt vor allem durch seine Zusammenarbeit mit John Zorn und Bill Frisell, und dann noch Thomas Morgan, Bassist, als Modern Creative unterwegs mit allem, was Rang und Namen hat.
Bro wird gern als „Aquarellist mit der Gitarre“ bezeichnet. Das bezieht sich auf die von ihm entworfenen nahezu schwebend wirkenden Klanglandschaften. Die klaren, lang anhaltenden, vor allem mit Delay-Effekten angereicherten Gitarrenlinien, die sich auf das Melodische rückbesinnen. Es ist in gewisser Weise skandinavischer Jazz: Die Musik kennt überwiegend keine Eile, wirkt sphärisch, ist aber überhaupt nicht kühl, eher melancholisch-reflektierend. Sie verschafft der Zuhörerin, dem Zuhörer ungemein viel Reflexions- und Gefühlsräume. Dass es mitunter aber auch ganz anders zugehen kann, sei nicht verschwiegen.
„Ich sehe Musik als ein Ganzes“, sagt Bro über seinen musikalischen Ansatz. „Nicht als Bühne für solistische Akrobatik. Jeder in der Gruppe muss die gleiche Verantwortlichkeit beim Spielen erhalten. Ich genieße es, wenn ich Stimmungen und gewisse Strukturen entwerfe und wir dann zusammen auf Entdeckungsreise gehen. Also keine festen Vorgaben von mir. Vielmehr möchte ich, dass Joey und Thomas auf ihre Ideen und Intuition vertrauen und die Musik in nicht vorher zu erwartende Richtungen lenken. So passiert immer wieder Neues, die Musik geht ihren Weg. Sie strömt. Deshalb ist der Titel unserer letzten ECM-Einspielung 2016 folgerichtig: „Streams“.“
Folgen wir also den Strömen.
Karten:
• Konzertkasse Braunschweig,
Schloss-Arkaden & Medienhaus Braunschweiger Zeitung, Tel.: 05 31 / 1 66 06
• Online über eventim
• Abendkasse
Eintritt: Abendkasse 25 € / 22 € (ermäßigt) / 10 € (SchülerInnen)
Mit freundlicher Unterstützung:
Braunschweigische Sparkassenstiftung
Kulturinstitut der Stadt Braunschweig
Nahezu unverschämt wohlklingende Musik
Das Jakob Bro Trio beeindruckt mit Horizont erweiterndem, zeitgenössischen Jazz
„Was für ein außergewöhnliches Konzert!“, äußerte sich eine Besucherin höchst zufrieden. Was den allgemeinen Eindruck treffend wiedergab. Allerdings fiel auch die eher entrüstete Aussage, dass das doch wohl kein Jazz gewesen sei.
Als wüsste irgendjemand zu sagen, was Jazz ist! Man kann höchstens in Anlehnung an Ludwig Wittgenstein sagen: „Jazz ist alles, was der Fall ist!“ Aber, nichts für ungut. Es lohnt
schon, gerade für den Skeptiker, darüber nachzusinnen, was denn das Außergewöhnliche des gut besuchten Konzerts des Jakob Bro Trios am Sonntagabend im Braunschweiger LOT-Theater gewesen sein könnte.
Mit „Gefion“ eröffnet Bro das Konzert. Gefion, die Asenjungfrau, Beschützerin der Jungfrauen, rein wie der Morgentau. So auch das Gitarrenintro: ein durchgehender Schwebeton im Hintergrund. Darauf Tontupfer, Flageoletts, später perlende Tonfolgen in den höheren Lagen. Hier und da etwas Beckenblech, ein Trommelschlag.
Dann klinkt sich der Bass ein. Grundtöne betonend, erst später sich lösend, um die Tonfolge, die sich verdichtet, zu umspielen, zu grundieren, zu akzentuieren.
Das alles in größter Ruhe ausgebreitet, nur minimal variiert, Geduld einfordernd. Welch ein Wohlklang, den Bro erst spät und ganz sparsam zu brechen beginnt. Auch die folgende Komposition „Copenhagen“ verharrt im Gestus ruhigen Dahinfließens. Die Musik taucht wie aus einer Tiefe heraus auf, wird immer erkennbarer und versinkt wieder. Man hat Zeit, sich Bilder zur Musik vorzustellen.
Natürlich gibt es auch mal eine Uptempo-Nummer mit rasantem Bass-Intro, angezerrten Gitarrenriffs und Solopassagen, sowie explosive Schlagzeugausbrüche. Das sind notwendige Ingredienzien, um die melodisch gesinnte, harmonisch fundierte und beharrliche von langbogigen Steigerungsdramaturgien geprägte strenge Variationsästhetik umso deutlicher hervor heben zu können. Meisterlich dargeboten mit „Heroines“.
Und damit sind wir schon bei der Antwort auf die Frage nach dem Besonderen dieses Konzertes. Melodische und rhythmische Muster werden von Bro, ohne den klanglichen Grundeindruck, den Sound insgesamt zu durchbrechen, immer wieder minimal verändert. Und dafür bedient er sich notwendigerweise der Tonschichtungen mittels der Looptechnik und der extensiven Delays. Das ist kein modischer Schnickschnack. Um der Gefahr eines gewissen Schematismus zu entgehen, werden Thomas Morgan am Kontrabass und Joey Baron am Schlagzeug zu eigenwilligen handlungstragenden, gestaltenden Subjekten.
Baron schien lange Zeit demonstrieren zu wollen, dass die Bezeichnung Schlag-Zeuger absurd ist. Er schlug nicht. Er streichelte Becken und Felle, arbeitete mit Besen, Fellschlägeln, Light Rods; erst im vierten Stück des ersten Sets verwendete er die üblichen Sticks. Es gab nicht das durchlaufende Hi-Hat-Spiel, nicht den Bassdrum-Dauerpuls. Er akzentuierte transparent und mitunter koboldhaft dazwischenfahrend.
Und Thomas Morgans Bassspiel war von einer ganz erstaunlichen Varianz. Auf nahezu unverschämte Weise vermochte er dem Schönklang noch mehr Tiefe zu verleihen, um dann aber immer wieder ganz eigenwillig zu interpunktieren. Wie er in diesen Soundlandschaften unverdrossen Strukturen einzog und den Kontext nicht aus den Augen verlor, war stupend.
War das nun dänisch-nordischer oder europäischer Jazz? Mitnichten oder Jein, wie man will. Die scheinbare Folksongbasierung und die Melodieverliebtheit einiger Kompositionen – hat sie nicht ihre Vorläufer z.B. in Pat Methenys Album „80/81“ oder beim Album „Folksongs“ des Charlie Haden Trios? Kann man in „Gefion“ nicht Country & Western-Klänge heraushören, was einen feinen Humor erkennen ließe?
Bro ist Kind dieser Zeit. Er kennt die Traditionen und weiß um zukünftige Entwicklungen im Bereich der Electronica. Wobei allerdings der Einstieg ins tonal nicht recht zu verortende „Sisimuit“ eher verwirrte. Was zunächst nach einer Störung des Effektgerätes sich anhörte, geriet dann doch von einem zunächst auf disparaten Wegen verlaufenden, aber dann zu einem von vielschichtigen Überlagerungen gekennzeichneten komplexen Stück.
Das Trio spielte eine Variante zeitgenössischer Jazzmusik. Wie und was auch immer: Improvisation, das Offene, das Unerwartbare macht den Reiz des Jazz aus. Und fordert vom Zuhörer das Gleiche. Große Begeisterung zum Schluss des Konzertes.
Klaus Gohlke