Ankündigung zu „Nicole Johänntgen – Lavendel“

Jazz wird weiblicher
Die Saxofonistin Nicole Johänntgen arbeitet mit ihrem Projekt SOFIA zumindest daran.

Sie kommt offensichtlich gern nach Braunschweig, die Jazzsaxofonistin Nicole Johänntgen. Das vierte Mal wird es sein. Diesmal mit ihrem Trio „Lavendel“ in einer verblüffenden Besetzung mit Izabella Effenberg am Vibrafon und Jörgen Welander an der Tuba. Aber es ist nicht nur das, was Johänntgen interessant macht. Es gibt da noch ein anderes Thema, das sie beackert. Wichtig gerade jetzt, wo kein Tag vergeht, an dem nicht auf ein offenbar in schwerer Schieflage befindliches Verhältnis von Männern und Frauen aufmerksam gemacht wird. Vor allem die hehre Kunstwelt erweist sich als Zentrum sexueller Übergriffigkeit.

Aber es geht doch dabei, machen wir uns nichts vor, „nur“ um eine besonders üble Variante dessen, was James Brown treffend und elend zugleich besingt: „It’s a man’s, man’s, man’s world“. Eine Männerwelt. Ach, und ohne die Frauen lebten die armen Herren in „wilderness and bitterness“, in der Wüstenei und Bitternis. Wie toll für die Frauen!

Auch die Jazzwelt, das gelobte Land der musikalischen Freiheiten, ist da nicht anders strukturiert. Nicole Johänntgen kennt diese Welt. Befragt, ob der Jazz männerdominiert sei, antwortet sie: „Ich höre im Moment zwar viel von jungen, aufstrebenden Jazzmusikerinnen, aber es sind immer noch sehr viel mehr männliche Kollegen in der Jazzszene.“

Ein kurzer Blick auf die Braunschweiger Jazzszene, wie sich beispielhaft anhand größerer Konzerte der letzten fünf Jahre in der Stadt verfolgen lässt, illustriert das. Es fanden 45 Konzerte statt. 39 davon wurden von Männern geleitet. Es traten dabei 130 Männer auf und 13 Frauen. Die regelmäßig in Braunschweig gastierende NDR-Bigband präsentiert auf ihrem Promotion-Foto ganze null Frauen.

Johänntgen stellt aber auch fest: „An den Musikschulen, an denen ich unterrichte, habe ich vorwiegend Schülerinnen und nur wenige Schüler. Ich bin gespannt, wie es sich in den nächsten 20 Jahren entwickelt!“ Nur, leben kann man von der Jazzmusik nicht so ohne weiteres. Was nun, wenn es um Familiengründungen geht? Johänntgen sieht die Sache realistisch. „Da es nicht viele Jazzmusikerinnen gibt, gibt es auch wenige Vorbilder, die Jazz und Familie vereinen. Ich denke, dass Frauen im Jazz sich die Frage stellen, ob Jazz vereinbar ist mit Familienplanung.“

Was also tun, um größere Geschlechtergerechtigkeit in der Jazzwelt zu erreichen? Lamentieren hilft nicht, wohl aber anpacken. Und so gründete Johänntgen SOFIA. Und sie führt aus: „Das ist die Abkürzung für „Support Of Female Improvising Artists“. Also Unterstützung weiblicher Improvisationskünstler. Alle zwei Jahre findet die SOFIA-Konferenz in Zürich statt, die jungen Jazzmusikerinnen die Möglichkeit gibt, sich im Musikbusiness weiterzubilden und mit anderen Musikerinnen zu jammen und Konzerte zu geben. Ich habe SOFIA gegründet, weil ich selbst einst starke Unterstützung fand. Ich habe erst nach dem Studium gelernt, wie ich Konzerte buche, Promotion mache, mich vernetze mit Musikerinnen in aller Welt. Das möchte ich nun weitergeben in der SOFIA-Konferenz. Dort herrscht ein entspanntes Klima untereinander. Ich konnte schon sehen, wie die Teilnehmerinnen nach den Workshops das Erlernte direkt umsetzten. Das freut mich sehr. Und das neue Programm steht schon!“. Derzeit tourt Nicole Johänntgen mit der polnischen Vibrafonistin Izabella Effenberg, die mit ihrem Baby und ihrem Partner in Braunschweig mit dabei sein werden. Jazz family on tour. Geht doch!

Das Trio „Lavendel“ gastiert am 16. Februar 2018 ab 20 Uhr im Roten Saal des Braunschweiger Schlosses.