NDR Bigband feat. Omar Sosa und Ernesto Simpson

LOT-Theater, Kaffeetwete 4a, 38100 Braunschweig

NDR-Bigband
feat. Omar Sosa (p) und Ernesto Simpson (dr)
Leitung: Geir Lysne

Seit über 40 Jahren ist die NDR-Bigband als Jazz-Orchester eine Instanz. Entstanden aus den Wurzeln eines reinen Rundfunk-Ensembles, hat sie sich seit den 70er Jahren zu einer Band entwickelt, die nicht nur ein umfassendes Jazz-Repertoire bedient, sondern auch eigene Impulse setzt, Genregrenzen erweitert, mit Weltstars auftritt und diese zu Konzerten in alle Ecken Norddeutschlands holt.

In diesem Jahr präsentiert die Bigband unter der neuen Leitung des norwegischen Saxofonisten und Komponisten Geir Lysne den in Barcelona lebenden kubanischen Pianisten Omar Sosa sowie Ernesto Simpson als Unterstützer am Schlagzeug.

Omar Sosas Musik weist eine große stilistische Bandbreite auf und ist von vielfältigen Einflüssen geprägt. Auf einem Fundament des Latin Jazz und afrokubanischer Rhythmen verarbeitet er nordafrikanische traditionelle Musik. Seine Musik betrachtet er als Ausdruck seines politischen und spirituellen Bewusstseins. In seinem Projekt „es:sensual“ mit der NDR-Bigband will er die verschiedenen Seiten seiner Persönlichkeit zusammenführen, getrieben von der unstillbaren Lust, immer wieder Neues zu versuchen.

Zur Aufführung gelangen Kompositionen, die von dem brasilianischen Cellisten Jaques Morelenbaum arrangiert wurden. Sosa erklärt: „Ich will meine afro-kubanische Seite zeigen, aber auch meine elektronische. Ich bin kein Jazzpianist, ich spiele keinen Bebop oder Swing. Jazz ist meine Philosophie: Es ist die einzige Musik, in der auch andere Musiken ihren Platz haben. Es soll eine aufregende Reise mit der NDR-Bigband werden. Die Band selbst und ihr Farbenreichtum sollen in den Vordergrund rücken. Farben, die man im Gedächtnis behält! Blumen, Vögel, Sonne. Kraftvolle Musik, aber ohne dabei Muskeln spielen zu lassen.“ Der kubanische für den Grammy nominierte Schlagzeuger Ernesto Simpson wird ihn dabei tatkräftig unterstützen.

Karten:
Konzertkasse Braunschweig,
  Schloss-Arkaden & Medienhaus Braunschweiger Zeitung, Tel.: 05 31 / 1 66 06
• Online über eventim
• Abendkasse

» Weitere Informationen

Eintritt: Abendkasse 25 € / 22 € (ermäßigt) / 10 € (SchülerInnen)

Mit freundlicher Unterstützung:
Kulturinstitut der Stadt Braunschweig

Kritik zu „NDR Bigband feat. Omar Sosa und Ernesto Simpson“

Herrliches afrikanisch-karibisches Gebräu
Die NDR-Bigband spielte unwiderstehlich im Braunschweiger LOT-Theater

Jazzkonzert im LOT Braunschweig genau zur Wochenmitte und dann ausverkauft? Schwer vorstellbar, aber Tatsache. Doch recht eigentlich überhaupt kein Wunder. Denn der musikalische Lockstoff war die NDR-Bigband unter der Leitung des Norwegers Geir Lysne. An sich schon ein Zugpferd. Aber insofern sie mit drei Special Guests ein respektables kubanisches Upgrade bot, stieg die Anziehungskraft um ein Vielfaches. Omar Sosa am Piano und Keyboard, Ernesto Simpson an den Drums und der Bassist Omar Rodriguez Calvo spielten die Lockvögel.

Nun ist Omar Sosa schon als Erscheinung wundersam eindrucksvoll. Groß, schlaksig, in weiße mit ornamentaler Bestickung verzierte Tücher gehüllt. Weiß behütet, schrille Brille, Fußbänder, eine extrovertierter Showman. Oft die Beine weit gespreizt: ein Fuß auf dem Klavierpedal, der andere auf dem Volumenregler des Keyboards. Die Rhythmen mitsprechend, Soli mimisch-gestisch lebhaft begleitend: ein echter Hingucker.

Was er aber mitsamt der Band an musikalischer Substanz ablieferte, ließ das Optische nahezu vergessen. Man müsste schon ein hochqualifizierter Genre-Spezialist sein, um genau sagen zu können, was da jeweils in welchem Moment afrikanisch, kubanisch, brasilianisch, was Cha-Cha-Cha, Merengue, Mambo oder Samba war. Aber nicht nur das: auch europäische Klassik, Folkrückgriffe und Modern Jazz-Elemente wurden mühelos integriert und zu einem mal wilden, mal melancholisch balladesken Gebräu zusammengeführt.

Mitunter regelrecht aufschreckend, wenn die Posaunengruppe rhythmisch auf einem völlig anderen Gleis zu fahren schien! Oder aber die Trompeter plötzlich so dissonant spielten, dass man aufs erste Hören auf vertauschte Notenblätter schloss.

Wunderbar die Idee, nach der Pause zunächst Sosa und Simpson mit „Muovente“ stimmungsvoll allein auftreten zu lassen. Um dann – ergänzt um Calvo und den Perkussionisten Marcio Doctor – nahezu herzschmelzend „Alma“ zu zelebrieren, das die bei uns als „Guantanamera“ bekannte Melodie entfaltete. Zunächst sanft, dann verfremdeter mit sehr gewagten Übergängen bei den Akkordverbindungen.

Schön war, dass Sosa seinerseits den Solisten der Bigband Raum für ihre musikalischen Ideen ließ und so nie das Gefühl eines künstlerischen Gefälles entstehen ließ. Allerdings: Dafür sind die (ausschließlich) Männer aber auch zu gut!

Schließlich: Dass das Konzert so mitreißend war, lag nicht zuletzt an den wunderbaren Arrangements, die der brasilianische Cellist Jaques Morelenbaum für die Sosa-Kompositionen ersann.

Zum Schluss, völlig klar, stehende Ovationen!

Klaus Gohlke

Initiative Jazz Braunschweig e.V.
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