Samuel Blaser Quartet

westand Event- und Kulturzentrum, Westbahnhof 13, 38118 Braunschweig

Samuel Blaser – Posaune
Marc Ducret – Gitarre
Gerry Hemingway – Schlagzeug
Masatoshi Kamaguchi – Bass

Die Initiative Jazz Braunschweig macht genau da weiter, wo sie im Februar dieses Jahres aufgehört hat. Nämlich mit der Präsentation erstklassiger Jazzkonzerte. Bleiben wir dieser Tradition auch treu, so müssen wir nunmehr immer mit der Unsicherheit leben, dass aktuelle Infektionsentwicklungen alle Planungen umstoßen. So ist es nun einmal, wir bitten Sie, die aktuellen Entwicklungen unserer Konzertplanungen aufmerksam zu verfolgen.

Im Februar begeisterte das Eva Klesse Quartett, nun wird das Quartett des Schweizer Ausnahme-Posaunisten Samuel Blaser für uns aufspielen, eine kleine Supergruppe, wenn man so will. Mit dem Gitarristen Marc Ducret, Träger des Django Reinhardt Preises. Er spielte u.a. mit Joachim Kühn, Michel Portal und Tim Berne und gilt als Grenzüberschreiter, was seine Arbeitsfelder betrifft. Das Gleiche kann man auch von Gerry Hemingway sagen, dem Schlagzeuger der Band. Auf über 150 Einspielungen für verschiedenste Labels ist er als Bandleader, Komponist und Mitspieler verschiedenster Stilrichtungen von John Cale bis Marilyn Crispell zu hören. Schließlich Masatoshi Kamaguchi am Tieftöner, ein äußerst vielseitiger, intuitiv agierender Bassist.

Samuel Blaser seinerseits – Benny Golson-, J.J. Johnson- und 2019 European Jazz Award-Gewinner – gilt als einer der technisch versiertesten Posaunisten der Gegenwart, der sich nicht schubladisieren lässt. „Meine Interessen sind zu offen, um in eine spezifische Kiste gesperrt zu werden.“, sagt er im Interview. So spielt er Hommagen an Jimmy Guiffre und Carla Bley ein, dann verknüpft er Renaissance- und Barockmusik mit Gegenwarts-Jazz. Zeigt sich als kreativer Bandleader, der starke Melodien, Harmonien und Rhythmen kreiert, um seinen Mitspielern Räume zu eröffnen, sich auszudrücken, Kompositionen fortzuentwickeln und einen Gruppensound zu entwickeln. Wagt aber auch, Soloprojekte zu präsentieren.

Seine Arbeiten zeigen insgesamt Wege auf, improvisierte Musik zu einem echten Hör-Erlebnis werden zu lassen. „Ich bin sicher, dass eine funkelnde Posaune eine Botschaft direkt in dein Herz senden kann und damit dein Leben verändert!“, prophezeit er mit Emphase. Wir werden es mit seinem Quartett erleben.

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Karten:
- Musikalien Bartels, Braunschweig, Wilhelmstraße 89, Tel.: 0531 / 125712
- Touristinfo Braunschweig, Kleine Burg 14, Tel.: 0531 / 470-2040
- Konzertkasse Braunschweig, Schloss-Arkaden & Schild 1a, Tel.: 0531 / 16606
- Online über eventim
- Abendkasse
- und weitere ...

Eintritt: Abendkasse 25 € / 22 € (ermäßigt) / 10 € (Schüler*innen & Studierende)

Mit freundlicher Unterstützung:
Kulturinstitut der Stadt Braunschweig
Die Braunschweigische Stiftung
 

Festival “Drei Tage Neue Musik Braunschweig”

9. bis 11. Oktober 2020

Natura Renovatur
Wiederherstellung des Gewohnten. Gleichzeitig ein neuer Anfang.

Unter diesem Motto nimmt das Festival „Drei Tage Neue Musik Braunschweig“ das Werk Giacinto Scelsis in den Fokus und entwickelt daraus einen programmatischen Parcours, der ausgehend von Scelsis Werktitel Natura Renovatur die Klangwelt des 21. Jahrhunderts neu definiert.

Das Festival findet vom 9. bis 11. Oktober in der Dornse des Altstadtrathauses statt.
Es bleibt seinem bewährten Konzept mit einem aktuellen Motto, drei thematischprogrammatischen Konzerten, dem Profil Entertainment-Performance – dem moderierten und kommentierten Konzert – und dem pendenprinzip bei der finanziellen Publikumsbeteiligung treu.

Alle Konzerte des diesjährigen Festivals beziehen sich programmatisch ganz bewusst auf den experimentierfreudigen Italiener und stellen sein Werk neben dasjenige von Galina Ustvolskaja und Spohr-Preisträger Salvatore Sciarrino. Auf dem Programm steht auch die Uraufführung eines Auftragswerks für Ensemble, Live- Elektronik und Saxofon.

Das Eröffnungskonzert am Freitag, 9. Oktober, konfrontiert den Komponisten-Sonderling Scelsi mit Stücken, die eine innere Verbindung zu seinem Werk haben, wie etwa „Tre Pezzi for Scelsi“ für Kammerensemble, Live-Elektronik und AltSaxofon des Künstlerischen Leiters des Festivals Vlady Bystrov. Auch Bystrov ist, wenn man so will, mehr Klangtüftler als Komponist, einer, der sich praktisch und theoretisch intensiv mit dem Phänomen Klang auseinandersetzt. In „Tre Pezzi for Scelsi“ aus dem Jahr 2020, gespielt von der Klangwerkstatt Braunschweig, heben sich solistische Melodiefragmente des Saxofons aus einem dichten Gewebe an irisierenden Ensembleklängen heraus. Konzentration und Reduktion bestimmen hier das musikalische Geschehen. Auch Salvatore Sciarrinos Werke sind von Scelsi inspiriert und spielen mit dem Phänomen des Klangs und seiner Auffächerung bzw. Transformation via Klangfarbe und mikrotonaler Veränderungen. Als Solistinnen sind Tatjana Prelevic am Klavier und Lenka Zupkova an der Violine (Ensemble Megaphon).

Im zweiten Abend, am Samstag, 10. Oktober, teilen Musiker unterschiedlicher Herkunft eine gemeinsame Klanggestik und vereinigen zwei verschiedene Klangideen: Homogenität und Heterogenität, Realität und Illusion sowie Identität und Incognito. Hier werden auf den Reminiszenzen von und über Scelsi basierende Themen improvisatorisch verarbeitet, die sich zum ersten Mal treffendes Trio, bestehend aus wahren Meistern ihres Fachs, dem Pianisten Simon Nabatov, Schlagzeuger Christian Lillinger und Saxofonisten Vlady Bystrov, zu neuen Klanggebilden formt.

Im Abschlusskonzert, der Matinee am Sonntagvormittag, 11. Oktober, erzählt Dr. Vlady Bystrov aus musikwissenschaftlicher Sicht über seine persönlichen Begegnungen mit Musik Giacinto Scelsi und präsentiert einige Solo-Stücke für Saxofon und Klarinette. „Tre Pezzi“ nannte Giacinto Scelsi ein Stück aus dem Jahr 1956, in dem er von einem Ton D ausgehend einen wahren Klangkosmos entstehen lässt. „Maknongan“ oder „Ixor“ sind die anderen. Außerdem spielen Simon Nabatov und Vlady Bystrov Improvisationen zu dem Hörspiel- Klanginstallation über Scelsi. Eine fantastische Schule des Hörens und eine Klanginsel im Meer des Gewöhnlichen.

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Veranstalter: Freunde Neuer Musik Braunschweig e.V.
 

Jazz mit Mindestabstand

DAS KULT, Hamburger Straße 273 Eingang 2C, 38114 Braunschweig

Sonntag, 26. 7. 2020 von 14-19 Uhr: Regio-Jazz Open Air, Schimmelhof-Gelände

Das Festival findet trotz des angesagten leichten Regens statt!

Beitragsbild

Wir sind aus der Coronapause zurück und freuen uns, Sie/Euch begrüßen zu können. Schon seit vier Monaten ist die Braunschweiger Kulturszene pandemiebedingt im Stillstand – keine Auftrittsmöglichkeiten für die Künstler, keine Konzerte für das Publikum. Mit dem Jazz-BS Open Air soll nun am 26. 7. ein vorsichtiger Neuanfang gewagt werden. Unter Einhaltung aller Sicherheitsmaßnahmen veranstaltet die Initiative Jazz Braunschweig in Zusammenarbeit mit dem KULT ein Open-Air-Konzert mit Bands aus der Region. Von 14-19 Uhr werden zu sehen sein:
 
 
 
 

  • 14:00-14:45 Uhr: Duo Waida/Lampe (Sven Waida p, Tobias Lampe b)
  • 14:45-15:30 Uhr: Britta Rex Quartett (Britta Rex voc, André Neygenfind b, Eddie Filipp dr, Jan Behrens p)
  • 15:30-16:00 Uhr: Konrad Brinckmeier (p)
  • 16:00-16:45 Uhr: Henny Baldt Trio feat. Bernd Dallmann (Henny Baldt dr, Viktor Bürkland p, Peter Schwebs b, Bernd Dallmann sax)
  • 16:45-17:30 Uhr: Trio Matti Wandersleb dr, Bernd Dallmann sax, Heinrich Römisch b
  • 17:30-18:15 Uhr: Alex & Solid Jazz feat. David Tobin (Alexander Hartmann sax, David A. Tobin voc, Peter Schwebs b, Helge Adam p, Sam Torres dr)
  • 18:15-19:00 Uhr: Die kleine Swingbrause (Matthias Köninger voc/p, Heinrich Römisch b, Ingemar Oswald dr)

Ort: Schimmelhof-Gelände vor dem KULT, Hamburger Str. 273/C2

Der Eintritt ist frei; um eine Spende zugunsten der Auftretenden wird gebeten.

Hygieneregeln: Sitzplätze mit Mindestabstand sind vorhanden, evtl. Sitzkissen mitbringen. Maskenpflicht auf dem Weg zum Platz und zum Catering; auf den Sitzen kann die Maske abgenommen werden.

 

Jazzhilfe

Ein großes DANKE an alle Spender der „Jazzhilfe“ für das großartige Spendenaufkommen von knapp über 10.000 Euro. Der größte Teil der Summe ist inzwischen an Jazz-Musikerinnen und -Musiker der Region geflossen, als Honorare für Auftritte nach der Corona-Zeit. Ein erster Auftritt mehrerer Gruppen ist jetzt sogar schon für die nächste Zeit in Planung, als Konzert im Netz über unsere Website.
Ein kleiner Teil der Spendensumme steht noch bereit. Die Krise ist noch nicht vorüber.
 

Offener Brief der nds. Musikkultur

BITTSCHÖN: LESEN; ZEICHNEN; TEILEN

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

wir danken Ihnen und Euch für die Mitzeichnung unseres Schreibens (siehe Link), das wir gestern an die Landesregierung verschickt haben. Wir sind gespannt auf die Rückmeldung seitens der Politik.

Wir sammeln in der Zwischenzeit weitere Unterstützer*innen. Ab sofort ist es möglich den Brief auf unserer Website zu unterzeichnen, die Liste der Unterzeichner*innen wird regelmäßig aktualisiert: www.lag-jazz.de/corona

Daher die Bitte an Sie und Euch: teilt die Seite unter Mitgliedern, auf Social Media Kanälen, Newslettern usw., wir können jede Unterstützung gebrauchen. Es darf nicht sein, dass in anderen Bundesländern (wie kürzlich in Bayern) nachgebessert wird und in Niedersachsen nichts passiert!

Rückfragen oder weitere Anregungen nehmen wir jederzeit gerne entgegen!

Viele Grüße

der Vorstand der LAG JAZZ

LAG JAZZ in Niedersachsen e.V.
Schwarzer Bär 2
30449 Hannover
web: www.lag-jazz.de
mail: info[at]lag-jazz.de
 

To whom it may concerns. Eine gute Aktion der Stadt BS!

Sehr geehrte Damen und Herren,

ich möchte Sie heute darüber informieren, dass der Verwaltungsausschuss der Stadt Braunschweig einen Härtefallfonds für von der Corona-Virus-Pandemie existenziell bedrohte, in Braunschweig ansässige Unternehmen, Selbstständige, Soloselbstständige, Freiberufler sowie Kultureinrichtungen, Kulturschaffende und weitere Einrichtungen beschlossen hat, um Betroffenen helfen, die nicht oder nicht ausreichend von den Rettungsschirmen von Bund und Land berücksichtigt werden. Mit zunächst 3 Millionen Euro will die Stadt Braunschweig hier unterstützen. Von dem Gesamtbetrag stehen 1 Million Euro für Kulturschaffende zur Verfügung. Die Richtlinie zu dem eingerichteten Fonds sieht vor, die Fördersummen bei einer Antragsberechtigung als Soforthilfe auszuzahlen. Um schnellstmöglich eine effiziente Unterstützung gewähren zu können, sollen bürokratische Hürden auf ein Mindestmaß beschränkt werden. Die Anträge werden chronologisch nach Eingangszeitpunkt der vollständigen Unterlagen bearbeitet.

Die Soforthilfen sind für folgende Fallkonstellationen vorgesehen:

– Unterstützung von Kultureinrichtungen bei Existenzgefährdung und Liquiditätsengpässen
– Kompensation für Kulturschaffende für ausgefallene Engagements, Ausstellungen, Publikationen und Präsentationen ab dem 13. März 2020
– Kompensation für Kulturschaffende für verlorene Projektinvestitionen im 1. Halbjahr 2020, sofern ein entsprechender Förderantrag vor dem 13. März 2020 gestellt wurde

Anträge können ab sofort online gestellt werden. Dafür muss das unter folgendem Link hinterlegte Formular genutzt werden: www.braunschweig.de/corona-hilfsfonds

Für weiterführende Informationen finden Sie unter www.braunschweig.de/corona-hilfsfonds eine Liste mit häufig gestellten Fragen. Außerdem können Sie sich bei Fragen rund um die Antragstellung an die dafür eingerichtete Hotline unter 0531 470-4847 wenden.

Wir senden Ihnen diese Nachricht als potenzielle Antragstellerinnen und Antragsteller, aber auch und besonders als Multiplikatoren und bitten, diese Informationen an entsprechende Personen weiterzuleiten, die ggf. eine Förderung erhalten können.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Anja Hesse

Dezernentin für Kultur und Wissenschaft
Stadt Braunschweig
 

Kartenrückgabe “Emile Parisien Quartett”

Liebe Jazz-Freunde!

Das Konzert von Emile Parisien in Braunschweig wurde abgesagt. Wir bedauern das sehr, aber die Beurteilung nach dem Gefährdungsbogen der Stadt Braunschweig hat ergeben, dass die Durchführung der Veranstaltung mit einem zu hohen Risiko für gefährdete Personen verbunden gewesen wäre. Wir bemühen uns derzeit um einen Ersatztermin, können aber zum gegenwärtigen Zeit noch keine näheren Aussagen machen.

Die Karten können an den Vvk.-Stellen zurückgegeben werden.

 

Spendenaufruf

Jazzhilfe Braunschweig
– Ein Aufruf der Initiative Jazz Braunschweig e.V. –

„Danke“ und Hinweise für Spendenbescheinigungen

Großer Dank an alle Spender, an die Mitglieder der Jazz-Ini, an Freundinnen und Freunde, Jazzbegeisterte, Hilfsbereite. Der Spendeneingang war schon jetzt in den ersten Tagen ganz überwältigend und versetzt uns in die Lage, jetzt und im weiteren Verlauf der Krise, deren Verlauf und Ende noch nicht abzusehen ist, zu helfen. Die ersten Auszahlungen sind bei den Musikern angekommen.

Die Spenden sind steuerlich absetzbar. Bis € 200 wird der Kontoauszug als Beleg akzeptiert. Wenn Sie trotzdem eine Spendenbescheinigung haben möchten, lassen Sie es uns per E-Mail und mit der Angabe Ihrer Postadresse wissen. Für höhere Beträge erbitten wir Ihre E-Mail mit Postadresse, soweit sie nicht auf dem Überweisungsformular enthalten ist oder wir die Adresse (z.B. von Mitgliedern der Ini) kennen.


Braunschweigs Jazzszene hält zusammen und unterstützt existenzbedrohte, freischaffende Jazzmusiker*innen!

Liebe Jazzbegeisterte,
die Kulturszene unserer Region leidet wie viele andere Bereiche auch unter den einschneidenden, wenn auch unausweichlichen Maßnahmen zur Verlangsamung der Ausbreitung des Corona-Virus. Viele freiberufliche Jazzmusiker*innen, die eh schon in prekären Verhältnissen als Künstler*innen leben, sind durch diese Krise in ihrer Existenz bedroht, da sie in den kommenden Monaten ihre Lebensgrundlage verlieren – Keine Auftritte, kein Unterrichten, kein Geld! Nur die wenigsten haben Rücklagen oder eine familiäre Absicherung.
Aus diesem Grund bittet die Initiative Jazz Braunschweig e.V. um Spenden für existenzbedrohte, freischaffende Jazzmusiker*innen der Braunschweiger Region. Helfen Sie mit, damit wir unsere lebendige Szene durch diese schwierige Zeit bringen können. Jeder Euro hilft! Wir sorgen dafür, dass Ihre Spende als finanzielle Unterstützung bei den sozial betroffenen Musiker*innen ankommt.
Unser Konto IBAN DE82 2505 0000 0002 0073 91 Stichwort „Jazzhilfe“


Informationen für betroffene Musiker*innen

Pro Antrag zahlen wir nach den Möglichkeiten des Spendeneingangs maximal Euro 300 aus, wenn nötig plus MWSt.

Wir erbitten Ihren/euren Antrag auf Hilfe formlos per eMail mit einer kurzen Begründung. Die Bearbeitung der Anträge bei uns übernimmt eine Gruppe bestehend aus dem Vorstand und mit der regionalen Jazz-Szene vertrauten Personen. Wir werden für Transparenz sorgen.

Zur Abwicklung benötigen wir eine Rechnung von Ihnen/euch an uns, ebenfalls per eMail:
Initiative Jazz Braunschweig e.V.
Erhard Oelmann
Rhönweg 8, 38122 Braunschweig
für möglicherweise künftige Auftritte/Konzerte.

Wir wissen auch nicht, wie lange die Krise dauert. Wir wollen entsprechend unseren Möglichkeiten helfen. Erneute Anträge werden genauso geprüft wie Erstanträge.

Unsere eMail-Adresse: vorstand[at]jazz-braunschweig.de
 

RIP: Otto Wolters (1938-2020)

Trauer und Dankbarkeit

Der Braunschweiger Jazzpianist und- pädagoge Otto Wolters ist im 82. Lebensjahr verstorben

Wie ein Lauffeuer verbreitete sich die Nachricht in den „Sozialen Medien“. Otto Wolters ist tot! Der Mann, der wie kein zweiter das Gesicht des Braunschweiger Jazz war. Innerhalb von 24 Stunden über 3500 Aufrufe bei Facebook, Beileidsbekundungen von überall her, bezeugen seine Wertschätzung weit über den Braunschweiger Raum hinaus. „Ein großer Verlust für die ganze Szene!“ „Otto war eine Lichtfigur und absolut authentisch!“ „Großartiger Lehrer, großartiger Mensch!“ „Sensibler Klavierspieler.“ „Er hat mich zum Jazz gebracht.“ „Seine Konzerte sonntags im Anton Ulrich!“ So oder so ähnlich wird kommentiert. Otto Wolters, 1938 in Oldenburg geboren, geliebter Mittelpunkt seiner Familie, ist nach längerer schwerer Krankheit am Montag verstorben.

Dass Braunschweig heute einen Ruf als Top-Adresse des nationalen und internationalen Jazz hat, das ist ganz wesentlich Otto Wolters‘ Verdienst. Auf drei Ebenen, die eng miteinander verwoben waren, gelang es ihm, den Jazz zu etablieren. Als Praktiker in seinen verschiedenen Band- und Soloprojekten, als Lehrer an der Musikhochschule Hannover und der Städtischen Musikschule Braunschweig, schließlich als Initiator und treibender Motor der Braunschweiger Jazz-Szene, organisiert in der Braunschweiger Musiker-Initiative.

Jazz galt in den frühen 70er Jahren hier als ein sehr eigenartiges Gebräu. Als schräge Ami-Mucke oder aber als eine Art „Eliten-Protest-Musik“. Kaum verortbar nebulös zwischen Dixie und Post-Bop pendelnd, zwischen Riverboat-Party und Räucher-Keller. Otto Wolters nun gelang es einerseits, diese Musik in Braunschweig und darüber hinaus gewissermaßen zu erden. Vor allem dadurch, dass er das Fach „Jazzpiano“ an der Städtischen Musikschule Braunschweig zu etablieren vermochte, aber auch durch seine zahlreichen Konzerte, die mit Braunschweiger Lokalen untrennbar verbunden sind: „Bassgeige“, „Altdeutsche Bierstube“, „Lindenhof“.

Gleichzeitig aber verlieh er dem Jazz eine Aura der Seriosität. Durch sein Zusammenspiel mit Jazzern von Rang und Namen: Sonny Stitt, Attila Zoller und Gunter Hampel, um nur wenige zu nennen. Vor allem aber, indem er zusammen mit seinen Mitstreitern in der Musikerinitiative Jazzmusiker der Top-Liga nach Braunschweig holte. Etwa US-Shooting Star Pat Metheny, deutsche Avantgardisten wie Albert Mangelsdorff und Joachim Kühn. Jazzmucke wurde in den Konzertrang erhoben, Gepflogenheiten bürgerlichen Konzertverhaltens übernommen.

Vieles kann man nur antippen. Wolters‘ Arbeit für das Goethe-Institut, Crossover-Projekte mit Hans-Christian Wille, der Münchner „Klaviersommer“, die Reihe „Jazz und Lyrik“. Viele unserer in der Region aktiven Jazzmusikerinnen und Jazzmusiker sind durch seine Schule gegangen. Zweierlei ist von ihnen immer wieder zu hören. Er habe ein ungemein feines musikalisches Empfinden besessen, gepaart mit großem pädagogischem Feingefühl. Aber dann vor allem: Otto Wolters sei immer ein Mensch gewesen, im besten Sinne. Große Trauer über seinen – natürlich. Gleichzeitig aber das Gefühl großer Dankbarkeit und großen Respekts ihm gegenüber.

Klaus Gohlke
 

Jahresmitgliederversammlung

Liebe Mitglieder der Initiative Jazz Braunschweig,

angesichts der aktuellen Corona-Entwicklungen wird die Jahresmitgliederversammlung am 18. März 2020 auf einen späteren Termin verschoben. Es erfolgt eine erneute Einladung.

Da die Coronakrise sicherlich nicht nur ein paar Wochen dauern wird, werden unsere nächsten Konzerte höchstwahrscheinlich auch davon betroffen sein. Wir werden Sie/Euch rechtzeitig informieren.

 

Bolle-Gedächtniskonzert

Jazz-Kneipe Baßgeige, Bäckerklint 1, 38100 Braunschweig

Britta Rex – Gesang
Walter Kuhlgatz – Trompete, Flügelhorn
Marcel Reginatto – Alt- und Baritonsaxophon
Otto Jansen – Tenorsaxophon
Elmar Vibrans – Piano
Heinrich Römisch – Bass
Thomas Geese – Schlagzeug

BeitragsbildEin Jahr ist es im Februar her, dass Norbert „Bolle“ Bolz gestorben ist. Es ist Zeit, mit einem Jazzabend in der Baßgeige an ihn und seinen Einsatz für die swingende Musik zu erinnern. Bolle, der auch den Musikerinnen und Musikern der Braunschweiger Szene immer wieder Auftrittsmöglichkeiten gab, hätte daran Freude gehabt. Freude ist das Stichwort:
Es gibt keinen Trauerabend, sondern eine Feier des swingenden Jazz, den Bolle liebte.

Eintritt: 15 €
 

Kritik zu Eva Klesse Quartett

Klesses Erzählungen
Das Eva Klesse Quartett spielt begeisternden modernen Jazz im ausverkauften Roten Saal

Nein, das waren keine neuen Hoffnungsträger des Jazz, keine „upcoming stars“, kein Silberstreif am Jazzhorizont. Nichts von dem, was medial wichtigtuerisch herum posaunt wird und doch bloßer Reflex kulturindustrieller Imperative ist.

Es war „nur“ das Eva Klesse Quartett, das am Freitagabend auf Einladung der Initiative Jazz Braunschweig im Roten Saal spielte. „Nur“? Nun, es spielte eine hervorragend eingespielte, kreativ miteinander kommunizierende Formation. Vier MusikerInnen, die ihr musikalisches Handwerk bis ins Detail verstehen. Die nicht morphten oder Module konstruierten, auch kein angeblich neues „zirkulares Musikverständnis“ zelebrierten, wohl aber Kompositionen spielten, deren zugrunde liegende Ideen den ZuhörerInnen unmittelbar einleuchteten. Die eine Basis lieferten, Jazz-Spaziergängen zu folgen, auch wenn sie mal ins musikalische Hochgebirge führten.

„Wesen und Zustände“, so Eva Klesse, „spiegeln die Stücke wider oder sind Ausgangspunkte.“ Alltägliche Verwirrungen, Traumsequenzen, Gefühlsüberschüsse, Fabelwesen, Erinnerungen, die in Musik transformiert werden.

Fast programmmusikalisch mitunter, wie in „Klabautermann“. Geisterartig-verschwebende Sounds als Einstieg, gefolgt von einer dramatisch aufgeladenen Fortführung, die sich zu einem wilden Tanz entwickelte. Ja, der Schiffsgeist war an Bord! Dann überraschend ein harter Break – etwas, was das Klesse-Quartett liebt – dem fast kammermusikalische Gespräche zwischen Bass und Piano folgten. Ein langes Crescendo dann, ein Finale furioso, wüst, die tonalen Grenzen aufsprengend. Klare Botschaft: Der Schiffsgeist geht und das Schiff unter.

Ganz anders präsentierte sich das Quartett in „Gravity“. Melancholisch-düster, verzerrt, hoch- und tiefst-tönig, mal völlig transparenter Klang, dann mächtig anschwellender Soundwall. Dazwischen wiederholt eine wunderschöne Melodie bei Reduktion der Begleitung auf das Nötigste.

Überhaupt: Improvisation und Komposition verschmolzen raffiniert, die Soloparts waren integriert. Und die Verankerung der Band in der musikalischen Tradition auch außerhalb des Jazz war unaufdringlich und doch schön nachvollziehbar in Stücken wie „Hal Incandenza“ oder aber dem anrührenden, nahezu „romantischen“ „Choral für P.“

Eva Klesse weist zu Recht darauf hin, dass sie zwar die „Orga-Chefin“ der Band , das Quartett aber ein Kollektiv sei mit ihr am Schlagzeug, Philip Frischkorn am Klavier, Evgeny Ring am Saxophone und Stefan Schönegg am Kontrabass. Genauso ist es: Ein organisches Gebilde auf höchstem Niveau. Viel Beifall im ausverkauften Haus.

Klaus Gohlke

Eva Klesse Quartett

Roter Saal im Schloss, Schlossplatz 1, 38100 Braunschweig

Eva Klesse – Schlagzeug
Philip Frischkorn – Klavier
Evgeny Ring – Alt-Saxophon
Stefan Schönegg – Kontrabass

BeitragsbildWas die Schlagzeugerin Eva Klesse (die erste (!) deutsche Instrumentalprofessorin für Jazz) mit ihrem Quartett (Evgeny Ring: Alt-Sax; Philip Frischkorn: Piano; Stefan Schönegg: Kontrabass) entwickelt, ist reife, klug durchdachte und zugleich empathisch gespielte Musik. Dank melodischer und harmonischer Raffinesse ist ihr Jazz für unterschiedliche Hörerinnen und Hörer interessant, jenseits vom Mainstream. Das Quartett präsentiert sich dabei als atmender Organismus, der modernen Jazz zwischen Kontemplation und Temposchärfe entwirft. Man lässt einander ungemein viel Platz und klebt nicht an konventionellen Rollenverteilungen von Komposition und Improvisation. Dieser kammermusikalische Jazz mit seiner Ausdruckstiefe führt zu einer musikalischen Erzählkunst, die im internationalen Kontext souverän bestehen kann. Eva Klesse beeindruckt mit einem dynmaischen Spiel, beherrscht feinste Nuancen und zarteste Töne. Sie ist kreative Gestalterin mit einer identifizierbaren Handschrift und kongeniale Partnerin ihrer exzellenten Mitmusiker, die ihre Spielphilosophie bruchlos teilen. Die Jazzfreunde erwartet ein Abend mit spannendem Interplay unterschiedlicher Spielhaltungen und Charaktere.

» Weitere Informationen

Karten:
- Musikalien Bartels, Braunschweig, Wilhelmstraße 89, Tel.: 0531 / 125712
- Touristinfo Braunschweig, Kleine Burg 14, Tel.: 0531 / 470-2040
- Konzertkasse Braunschweig, Schloss-Arkaden & Schild 1a, Tel.: 0531 / 16606
- Online über eventim
- Abendkasse
- und weitere ...

Eintritt: Abendkasse 20 € / 18 € (ermäßigt) / 10 € (Schüler*innen & Studierende)

Mit freundlicher Unterstützung:
POMPE OPTIC
Kulturinstitut der Stadt Braunschweig

Interview mit Eva Klesse

Konzentrieren wir uns doch auf die Musik
Geschlechtergerechtigkeit ist für die Hannoveraner Bandleaderin, Schlagzeugerin und Jazzprofessorin Eva Klesse ein wichtiges Thema

Eva Klesse spielt am Freitag, 14. Februar 2020 im Roten Saal Braunschweig mit ihrem Quartett Modern Jazz. Sie war 2018 die erste Jazz-Instrumentalprofessorin und lehrt an der Hochschule für Musik in Hannover. Klaus Gohlke sprach mit ihr über die Genderthematik im Jazz.

Frau Klesse, in Deutschland gibt es zwei Instrumentalprofessorinnen für Jazz. Sie sind eine davon. Was ist das Besondere daran im Vergleich zu anderen Lehrenden im Studiengang Jazz?

E.K.: Ich denke, das Besondere ist, dass es immer noch als etwas Besonderes angesehen wird (obwohl wir denken, dass wir – was Gleichstellung in unserer Gesellschaft angeht – angeblich schon „so wahnsinnig weit“ sind und obwohl gerade wir im Jazz, der als progressive Musik angesehen wird, eigentlich Vorreiter sein müssen für gesellschaftliche Prozesse, oder?). Für meine tägliche Arbeit und den Umgang mit meinen Studierenden spielt die Tatsache, dass ich eine Frau bin, keine große Rolle. Das Besondere ist das politische Signal, das von der Berufung von 2 Frauen für diese Stellen ausgeht, die ersten im Jahr 2018,  obwohl es Jazz-Ausbildung an Hochschulen schon seit Jahrzehnten gibt. Ich erhoffe mir einen Aufbruch und mehr Diversität unter Studierenden und Lehrenden an Hochschulen, in der Jazzausbildung und überall.

Wolfram Knauer überschreibt ein Kapitel in seiner gerade erschienenen Geschichte des deutschen Jazz: Jazz wird diverser, weiblicher, queerer. Frauen tauchen also auf im Zusammenhang mit Verschiedenartigkeit, mit Normabweichung, wenn man Lexikondefinitionen folgen will.  Auch wenn Knauer das nicht so meint, aber Weiblichkeit im Jazz als Abweichung:  eine zutreffende Beschreibung?

E.K.: Ich finde das Buch von Wolfram Knauer sehr lesenswert und bin froh, dass auch er dieses wichtige Thema aufgreift. Jazz wird diverser, weiblicher, queerer – das ist/wäre doch ganz wunderbar! Klar waren Frauen bisher in der Jazzwelt/-geschichte die Abweichung von der Norm, aber Wolfram Knauer spricht in seinem Buch ja genau diesen nun stattfindenden und längst fälligen Wandel an: die Szene öffnet sich (und muss sich auch öffnen!), mehr und verschiedenere Menschen finden Platz, Raum und Gehör.

Finden Sie das Tempo im Hinblick auf die Geschlechtergerechtigkeit im Bereich Jazz nunmehr ermutigend oder eher erschreckend?

E.K.: Natürlich dauert das alles lange und manchmal kommt das Gefühl auf, als müsste man wieder neu für Dinge kämpfen, die doch eigentlich schon mal common sense waren. Aber: ich finde es ermutigend, dass gerade ein Wandel stattfindet: gesamtgesellschaftlich und in der Jazzwelt. Und freue mich über alle Kolleginnen und Kollegen, die diesen Weg mitgehen. Erschreckend finde ich den gleichzeitig stattfindenden Backlash, rechts-nationale, rassistische und damit einhergehend auch sexistische und anti-feministische Tendenzen.

Warum ist das mit der Geschlechtergerechtigkeit im Jazz so schwierig?

E.K.: Ich denke, die Gründe für das Geschlechterverhältnis im Jazz sind vielfältig, ebenso wie die Ansätze, um dieses zu verändern. Meine große Hoffnung ist, dass dieses Thema für nachfolgende Generationen irgendwann keine Rolle mehr spielt, ehrlich gesagt, sondern alle ihren Talenten und Neigungen nachgehen können, und sich dabei nicht nach irgendwelchen Gender-Konventionen/ veralteten Rollenbilder richten müssen – Männer wie Frauen! Feminismus und das Streben nach Gleichberechtigung/Gleichstellung sind für alle da!

In Ihrer Band sind  Sie die Chefin. Ihre Bandkollegen sind alles Männer. Müssten Sie da nicht gegensteuern, etwa mit reinen Frauenbands (vgl. Marilyn Mazurs „Shamania“).

E.K.: In meiner Band bin ich die Orga-Chefin. Musikalisch wir sind wir ein Kollektiv. Und: ich muss gottseidank gar nix 🙂 Ich finde ja, es sollte alles geben dürfen: Männerbands, Frauenbands, gemischte Bands, diverse Bands. Vielleicht könnte man einfach aufhören, bei „Frauenbands“ immer wieder darauf hinzuweisen, dass es Frauenbands sind. Oder, alternativ: wir sprechen ab jetzt auch immer von Männerbands, wenn wir von rein männlich besetzen Ensembles sprechen. Dann müssten wir aber alle je erschienenen Jazz-Bücher und die gesamte Jazzgeschichte umschreiben. Bisher gab es nämlich ja so gut wie ausschließlich nur Männer-Bands. Reine Männer-Bands, reine Männer-Festivals. Vielleicht wurden die alle ja nur wegen ihres Geschlechts ausgesucht?? 🙂 Sie sehen, manchmal hilft es, sich mal alles umgekehrt vorzustellen, dann wird einem die Absurdität bewusst.
Vielleicht lassen wir diesen ganzen Quatsch aber auch einfach mal und konzentrieren uns auf das, worum es uns ja eigentlich geht: die Musik!

Welche „Jazz-Role-Models“ gab/gibt es für Sie?

E.K.: Viele. Meine Lehrer waren oft role models für mich, weil ich auch so tolle hatte. Heinrich Köbberling war und ist für mich ein Vorbild zum Beispiel, als Lehrer, Mensch und Musiker. Julia Hülsmann war und ist eine ungemein wichtige Mentorin für mich. Brian Blade verehre ich als Schlagzeuger. Daneben aber genau so Joni Mitchell und noch ganz viele andere. Ausserdem alle, die sich  – sowohl gesamtgesellschaftlich als auch in unserer Szene – für Gleichstellung und Gerechtigkeit einsetzen. Eine wilde Mischung also.

Kritik zu Silke Eberhard Trio

Jazz ist ein Kind der Freiheit

Das Silke Eberhard Trio eröffnete das Jazzjahr 2020 der Initiative Jazz Braunschweig

Musik ist ein flüchtig Ding. Des ist man oftmals froh, mitunter aber auch nicht. Vor allem bei Jazzkonzerten. Ganz besonders schmerzlich, wenn die Musik über einen kommt wie der Sturm und in so vielfältig gebrochener Weise, wie dies das Silke Eberhard Trio am Freitagabend im Roten Saal zu Braunschweig tat.

Zum Beispiel: Nur ein Ton! Knallig, scharf, von allen zugleich. Dann Pause. Tja, wie ging es weiter? Zwei Takte oder etwas länger? War das dann ein Thema oder nur eine Art Ton-Bewegung. Hören kann so schwierig sein, wie das Spielen von Musik. Über die verwirrende Fortsetzung musikalischen Geschehens vergaß man schon den Einstieg. Waren das nun Melodien oder deren Fragmente? Oder aber Flächen?

Wie auch immer im Detail – das Trio zeigte, was es heißt, die Traditionen zu kennen und fort zu entwickeln. Es wurde natürlich nicht nur ein wenig am harmonischen Korsett gerüttelt. Nein, Jazz ist ein Kind der Freiheit. Darum ging es. Gewiss, für Freunde der sanglich-melodischen, harmonisch eingängigeren Musik war das schwere Kost. Wobei allerdings die entspannte, spielerische Haltung der Musiker doch zum Aushalten einlud. Aber – macht es nicht auch Spaß, zu erleben, wie das Trio quasi telepathische Tempo- und Taktwechsel, ein blitzschnelles Changieren zwischen verschiedenen rhythmischen Idiomen vorführte? Wie die Begleitstrukturen zerflossen, sich neu ordneten und verselbständigten, um eigene Wege zu gehen? Natürlich ist das nicht so einfach zu erkennen, besonders, weil Silke Eberhard gerade nicht zu den „Kaltblütern“ am Instrument gehört, also das Tempo, den Druck liebt.

Dabei verführen die Songtitel geradezu. „Schneekatze“, „One for Laika“, „Belka und Strelka“, „Strudel“, „Damenschrank“(!) „Schwarzwurzelwäldle“, „Ping-Pong“. Das klingt nach Programmmusik. Aber, weit gefehlt, zu glauben, „Laika“ sei ein Requiem und die Schneekatze striche irgendwo leis-tatzig durch die Gegend. Schön: „Strudel“ fängt – sofern man ans Wasser denkt – durchaus wirbelnd an. Ein Chaos. So endet es auch. Aber sogleich stellen sich die Fragen ein: Ist das Trio der Tonalität verpflichtet? Oder wird diese eher von innen heraus verändert statt zerbrochen? Die Tonskalen werden aufgrund ihres offenen Charakters flexibel ausgedeutet zwischen Bass und Saxofon hin zu einer Polymelodik. Es gibt keine vom Thema her definierte Chorusstruktur, was spontanes Reagieren auf harmonisch-rhythmische Wendungen zur Folge hat. Eine Art von Befreiung der Melodie von formalen Fesseln vertikaler Ordnungen. Allerdings: Dazwischen auch eingängige, wunderbar swingende Intermezzi. Und spielte die Klarinette nicht auf einmal tänzerisch-locker im Benny-Goodman-Sound? Mit Charles Mingus könnte man von einer „organisierten Desorganisation“ sprechen.

Was das Konzert spannend machte, war auch die absolut gleichberechtigte Kommunikation der Instrumentalisten. Natürlich ist Silke Eberhard die Chefin auf der Bühne. Wer jedoch auf welche Weise auf harmonische Wendungen der Bläsersolistin reagiert, ist freigestellt. Soloparts unterliegen keiner schematischen Verteilung. Es gibt eben keine Begleiter, nur Mitspieler. Kay Lübke am Schlagzeug beeindruckte mit einer Vielfalt an Klängen, die er mit einem relativ kleinen Schlagzeug-Besteck zu erzeugen wusste. Es ging eben nicht nur um das time-keeping. Es ging um eigene rhythmisch-klangliche Gestaltung. Um ein Grundieren, Umspielen, Erweitern, Unterlaufen, Neuordnen der musikalischen Ideen. Das traf in gleichem Maße auf Jan Roder am Kontrabass zu. Mühelos bewegte er sich über das gesamte Griffbrett. Expressive Glissandi, feine Bendings und eine ausgefeilte Dynamik zeichneten sein Spiel aus. Allerdings – wegen der Mikro-Abnahme- nicht immer gut beim Forte-Spiel herauszuhören. Sein langes Bass-Intro vor der Pause war schlichtweg eindrucksvoll.

Dass Silke Eberhard zu den versiertesten Könnern an ihren Instrumenten zählt, muss nicht herausgehoben werden. Dass sie im Sommer den Berliner Jazzpreis 2020 erhält, spricht für sich. Schön vor allem, dass die MusikerInnen aus entspannter Haltung Momente größter Intensität entwickelten, frei von Avantgarde-Attitüden. Viel Beifall für einen guten Start ins Jazzjahr 2020 mit der Initiative Jazz-Braunschweig.

Klaus Gohlke

Interview mit Silke Eberhard

Zwischen Tradition und Avantgarde

Das Silke Eberhard Trio entwickelt den modernen Jazz beharrlich weiter

Das Jahr fängt sehr gut an für Silke Eberhard, eine der renommiertesten deutschen Saxofon- und Bass-Klarinette-Spielerinnen. Nach dem Preis der deutschen Schallplattenkritik ist ihr nun der Berliner Jazzpreis 2020 zuerkannt worden. Am kommenden Freitag gastiert sie in mit ihrem Trio in Braunschweig. Unser Mitarbeiter Klaus Gohlke sprach mit ihr über den kommenden Auftritt.

Mir scheint, Kontinuität ist Dir bei der Fortentwicklung deiner musikalischen Ideen sehr wichtig. Mit Deinem Trio arbeitest Du schon weit über zehn Jahre zusammen.

Kontinuität ist ja nicht das Gegenteil von Progressivität. Mein Trio ist so etwas wie eine „Working Band“, in der wir unsere musikalischen Ideen stetig weiterentwickeln. Das sind gewissermaßen
Forschungsprojekte. In dieser Gruppe spüre ich große Freiheit. Es ist meine Musik, es sind meine Improvisationen, vor allem Leute, mit denen ich gern zusammenspiele.

Deine Musik setzt sich explizit mit Eric Dolphy, Charles Mingus und Ornette Coleman auseinander. Warum sind sie Dir noch immer so wichtig?

Ihre Musik berührt mich. Heute. Ich hab von denen allen gelernt. Sie sind mein musikalisches Fundament, auf dem ich aufbaue.

Du spielst keinen Schmuse-Jazz. Was erwartet die ZuhörerInnen?

Gerne können die Menschen auch zu meiner Musik schmusen! Die Triobesetzung mit Saxophon, Bass und Schlagzeug ist gewissermaßen „klassisch“. Die fundamentalen Kategorien Melodie, Basslinie und Rhythmus sind ideal verkörpert. Dieses Format steht in einer langen Tradition im Jazz. Diese Linie führen wir weiter.

Du warst 2007 schon einmal in Braunschweig. Hat sich die Jazzwelt aus deiner Sicht seitdem verändert?

Die Frage ist sehr komplex. Zwei Hinweise vielleicht: Die gesellschaftlich virulente Debatte um Geschlechtergerechtigkeit ist auch im Jazz angekommen. Auch die Fragmentierungsprozesse, die wir gesamtgesellschaftlich erleben, sind im Jazz zu sehen und so gibt es beide Tendenzen – globale, was Rezeptionsmöglichkeiten, Kooperationen etc. betrifft, und partikulare, was z.B. Spezialisierung der Szenen und deren Narrative anbetrifft.

Deine Wahlheimat – Du bist ja gebürtige Schwäbin – ist Berlin. Ist Berlin so etwas wie die Jazzhauptstadt Deutschlands?

Berlin ist aus meiner Sicht zur Zeit die für Jazz zentrale Stadt in Deutschland, wenn nicht darüber hinaus. Die Szene ist in den letzen beiden Jahrzehnten enorm gewachsen – und zwar vor allem auch an internationalen Musikern. Das bedeutet natürlich nicht, dass Impulse ausschließlich von Berlin ausgehen. Was die Schwäbin betrifft: Nach wie vor sind mir – wahrscheinlich genetisch bedingt – gute Spätzle sehr wichtig. Ich gebe auch auf Anfrage Kässpätzle Workshops.

Das Silke Eberhard – Trio spielt am Freitag, dem 17. Januar im Roten Saal des Braunschweiger Schlosses ab 20 Uhr. Karten im Vorverkauf und an der Abendkasse.

Klaus Gohlke

Silke Eberhard Trio

Roter Saal im Schloss, Schlossplatz 1, 38100 Braunschweig

Silke Eberhard – Klarinette, Altsaxophon
Jan Roder – Bass
Kay Lübke – Schlagzeug

BeitragsbildDie Klarinettistin und Altsaxophonistin Silke Eberhard steht mit ihrem aufregenden Trio fest auf dem Fundament der modernen Jazztradition. Sie bezieht sich auf Innovatoren wie Ornette Coleman, Charles Mingus oder Eric Dolphy. Ohne das Sicherheitsnetz eines Harmonieinstrument spielt ihr Trio mit dem Bassisten Jan Roder und dem Schlagzeuger Kay Lübke hart swingenden modernen Jazz. Das Konzept der Band erinnert an das Mike Osborne Trio aus den 70er Jahren oder an das berühmte Ornette Coleman Trio der Blue-Note-Aufnahmen aus dem „Golden Circle“ in Stockholm.
Interaktion ist das Stichwort, das das Spiel der Drei kennzeichnet. Die Musiker gehen spontan auf die Ideen des jeweils anderen ein. Die originellen Kompositionen bieten dafür das Ausgangsmaterial.
Die CD des Silke Eberhard Trios „The Being Inn“ wurde 2017 mit dem Preis der Deutschen Schallplattenkritik ausgezeichnet. Der bekannte Jazzkritiker Bert Noglik begründete das für die Jury so:
„Das Album gleicht einer Einladung in das imaginäre Gasthaus, das sich die Berliner Altsaxophonistin und Bassklarinettistin Silke Eberhard beim Schreiben der Stücke vorstellte – ein Ort, an dem die moderne Jazztradition im Raum schwebt und im gemeinschaftlichen Spiel neu ausgeformt wird. Dabei sind die Fenster weit geöffnet, so dass sich bei allen Reminiszenzen an die Geschichte dieser Musik ein beglückendes Gefühl von Freiheit einstellt. Jan Roder am Kontrabass und Kay Lübke am Schlagzeug weben ein spannendes Beziehungsgeflecht und treten als Gesprächspartner der Bandleaderin wie auch selbst als Solisten hervor, so dass ein vielfältig ausdifferenzierter Trioklang entsteht, der sehr eigen ist und zugleich vertraut anmutet.“ Da kann man nur gespannt sein.

Karten:
- Musikalien Bartels, Braunschweig, Wilhelmstraße 89, Tel.: 0531 / 125712
- Touristinfo Braunschweig, Kleine Burg 14, Tel.: 0531 / 470-2040
- Konzertkasse Braunschweig, Schloss-Arkaden & Schild 1a, Tel.: 0531 / 16606
- Online über eventim
- Abendkasse
- und weitere ...

Eintritt: Abendkasse 20 € / 18 € (ermäßigt) / 10 € (Schüler*innen & Studierende)

Mit freundlicher Unterstützung:
Kulturinstitut der Stadt Braunschweig

Bildrechte Silke Eberhard Trio: Silke Eberhard