BS-Jazz – Osterburg-Vibrans Duo / HC Hasse Quintett

Roter Saal im Schloss, Schlossplatz 1, 38100 Braunschweig

Jazz BS – BS Jazz

Set 1: Osterburg-Vibrans-Duo
(Dietmar Osterburg: Gitarre; Elmar Vibrans: Piano)

Set 2: HC Hasse Quintett
(Hans-Christian Hasse: Piano; Claus Sartori: Saxophon; Lorenz Däubler: Saxophon; Heinrich Römisch: Bass; Ingemar Oswald: Schlagzeug)

Unter dem Motto Jazz BS – BS Jazz möchte die Initiative Jazz Braunschweig zukünftig Musiker*innen bzw. jeweils zwei Bands am Abend präsentieren, die in der Region Braunschweig verwurzelt sind.

BeitragsbildDie Duo-Besetzung Gitarre-Piano ist selten im Jazz. Eigentlich schade, finden Dietmar Osterburg (Gitarre) und Elmar Vibrans (Piano). Denn in dieser Kombination findet man eine Freiheit in der Improvisation, Kommunikation und Interaktion, wie sie in größeren Besetzungen nur schwer zu erreichen ist. Das Programm enthält Jazz-Standards und Kompositionen von John Abercrombie, Jim Hall, John Hicks und Attila Zoller, die in ganz eigener Manier improvisatorisch interpretiert werden.

BeitragsbildDie aktuelle Formation um den Braunschweiger Jazzpianisten Hans-Christian Hasse fühlt sich der Tradition der US-amerikanischen Tonsprache des Jazz verpflichtet. Die Musiker bieten dem Hörer ein abwechslungsreiches musikalisches Menü, angerichtet aus packenden Latin-Grooves, erdigen Hard-Bop-Linien und leidenschaftlichen Improvisation-Parts.

Karten:
- Musikalienhandlung Bartels, Braunschweig, Schlosspassage 1, Tel.: 0531 / 125712
- Touristinfo Braunschweig, Kleine Burg 14, Tel.: 0531 / 470-2040
- Konzertkasse Braunschweig, Schloss-Arkaden & Schild 1a, Tel.: 0531 / 16606
- Online über eventim
- Abendkasse
- und weitere ...

Eintritt: Abendkasse 20 € / 18 € (ermäßigt) / 10 € (Schüler*innen & Studierende)

Mit freundlicher Unterstützung:
Kulturinstitut der Stadt Braunschweig

Bildrechte Osterburg-Vibrans Duo: Dietmar Osterburg
Bildrechte HC Hasse Quintett: Hans-Christian Hasse

Jazz-BS startet BS-Jazz

Roter Saal im Schloss, Schlossplatz 1, 38100 Braunschweig

Jazz-BS startet BS-JazzBeitragsbild

Die Initiative Jazz Braunschweig e.V. möchte zukünftig im Rahmen ihres regulären Konzertprogramms zu besonderen Terminen auch Musiker*innen bzw. Bands präsentieren, die in der Region Braunschweig verwurzelt sind. Sie sollen in gleicher Weise vorgestellt werden, wie die anderen Bands aus aller Welt. Der einzige Unterschied wird sein, dass das Publikum an einem Abend zwei Jazz-Formationen erleben wird, die ein jeweils einstündiges Set spielen.
Auftrittsort ist der Rote Saal im Schloss der Stadt Braunschweig. Jazz-BS stellt eine angemessene PA, die Gage orientiert sich – wie bei allen anderen Musiker*innen auch – an den Empfehlungen der UDJ.

Der erste Termin ist Freitag, der 06. September 2019, 20 Uhr.

Bewerbungen bitte bis 30. März 2019 an bk.gohlke[at]t-online.de

Erforderlich sind dabei

  • ein Presskit (Bandprofil, HD-Foto > 1MB)
  • Tech- und Stagerider
  • Musikbeispiele (downloads, soundcloud, dropbox o.ä.)
  • Vertragsvordrucke stellt der Veranstalter

Klaus Gohlke, jazz-bs

Jazz im Park

Park des Ritterguts Abbensen, Eixer Straße 24, 31234 Edemissen

Veranstalter: Braunschweigische Landschaft e.V.

MUSIKZUG FREIW. FEUERWEHR ABBENSEN – JAZZ & DIXIELAND
JAN-HEIE ERCHINGER – SOLOPIANO
EVELYN KRYGER – WORLDFUSION
SAM LEIGH-BROWN & PETER BEFORT QUINTETT – BOSSANOVA

Zum 7. Mal lädt die Braunschweigische Landschaft ein zu JAZZ IM PARK. Diesmal grooven und swingen die Bands im Park des Rittergutes Abbensen. Moderne Musik in traditionsreicher Umgebung, ein Festival zum Hören und Sehen. Etablierte und erfolgreiche Jazz-Musiker ebenso wie musikalische Newcomer lassen hören, wie zeitgenössischer Jazz klingt.

» Weitere Informationen

Eintritt: 5 €

Jens Düppe Quartett “Dancing Beauty”

Roter Saal im Schloss, Schlossplatz 1, 38100 Braunschweig

Jens Düppe – Schlagzeug, Komposition
Sebastian Gille – Saxophon
Lars Duppler – Piano
Christian Ramond – Kontrabass

BeitragsbildGehen John Cage und Jazz zusammen? Neutöner Cage hatte ja ein eher distanziertes Verhältnis zum Jazz. Jens Düppe zeigt mit seinem Projekt „Dancing Beauty“, wie gut das funktionieren kann. Der Schlagzeuger und Komponist Düppe hat sich neun musikphilosophischer Aussagen des Jahrhundertmusikers Cage angenommen und sie als Grundlage für einen kreativen Entstehungsprozess benutzt. Ganz im Sinne von Cage hat sich Düppe frei von Genregrenzen und musikalischen Schranken von diesen Zitaten leiten lassen. Besonders zeigt sich das Potential dieser Idee durch die Umsetzung Düppes in dem Song „Dancing Plastic Bag“: ein kurzes Stück Musik, gespielt nur mit Hilfe von zwei Plastiktüten.

“Die erste Frage, die ich mir selbst stelle, wenn etwas nicht scheint, schön zu sein, besteht darin, warum denke ich, dass es nicht schön ist? Und sehr kurz darauf entdeckt man, dass es keinen Grund dazu gibt.“ Diesen Gedanken von Cage hat der Kölner Komponist in dem Stück „Sleeping Beauty“ verarbeitet. Es geht ihm ganz besonders um die wünschenswerte Offenheit, die ihm in unserer heutigen Welt so wichtig scheint, und er möchte deshalb ganz bewusst von anderen Perspektiven aus blicken können.

Bei der Komposition „Everything We Do Is Music“ handelt es sich um einen fast schon heroischen und edlen Gedanken! Ein Gedanke, der absolute Freiheit verleiht und einen Aufruf zu einer uneingeschränkten künstlerischen Entfaltung darstellt. Mit „This Is Not The End“ spielt er natürlich auch darauf an, dass er hier nicht stehenbleiben und auf jeden Fall weitermachen werde. Mit neuen Ideen, weiteren Kompositionen und Projekten – nicht nur im Jazz, so der Kölner.

Es sind aber nicht nur die Zitate von Cage, die Düppe beim Komponieren beflügelt haben. Sebastian Gille am Saxophon, Lars Duppler am Piano und Christian Ramond am Bass, Musiker aus der ersten Reihe des deutschen Jazz, sind seine Wegbegleiter und Inspiratoren. Sie alle haben mit ihrem Können eine ganz individuelle Klangvielfalt entwickelt, auf die Düppe beim Komponieren jedes Stückes ausdrücklich eingegangen ist. Die Folge ist ein unverwechselbarer Gesamtklang als Band, der so in fast zehn Jahren gemeinsamen Spiels entstehen konnte.

So präsentieren sich ganz unterschiedliche Klangwelten, jede für sich ein eigener
Kosmos von Melodien, Rhythmen und Strukturen. Eine große Geschichte von Möglichkeiten, Unvoreingenommenheit und musikalischer Freiheit. Ein Jazz-Abenteuer erster Güte.
„Dancing Beauty“ war für den Echo Jazz 2018 nominiert und erhielt 2019 den WDR Jazzpreis.

Karten:
- Musikalienhandlung Bartels, Braunschweig, Schlosspassage 1, Tel.: 0531 / 125712
- Touristinfo Braunschweig, Kleine Burg 14, Tel.: 0531 / 470-2040
- Konzertkasse Braunschweig, Schloss-Arkaden & Schild 1a, Tel.: 0531 / 16606
- Online über eventim
- Abendkasse
- und weitere ...

Eintritt: Abendkasse 20 € / 18 € (ermäßigt) / 10 € (Schüler*innen & Studierende)

Mit freundlicher Unterstützung:
Hoffmann Maschinen- und Apparatebau GmbH
Kulturinstitut der Stadt Braunschweig

Bildrechte Jens Düppe Quartett: Gerhard Richter

Interview mit Jens Düppe

Alles geht – oder auch nicht
Jens Düppe im Gespräch mit Klaus Gohlke anlässlich seines Konzertes

John Cage gilt als musikalischer Freigeist, als einer der Begründer der Neuen Musik. Hörgewohnheiten, Erwartungen zu unterlaufen, neue  Kontexte zu kreieren, das ist ihm immer wieder gelungen. Teilweise spektakulär, wie in seinem Werk 4’33, einem dreisätzigen Klavierstück, bei dem kein einziger Ton gespielt wird, oder mit einem Orgelstück, das im nahen Halberstadt so langsam wie möglich gespielt wird. In gut 600 Jahren wird es beendet sein! 
Nun kommt Jens Düppe mit seinem Jazz-Quartett am Freitag, dem 28. Juni in den Roten Saal nach Braunschweig und spielt bei „Dancing Beauty“ Stücke, die sich auf Cage beziehen. Was erwartet die Zuhörenden? Gibt es Grund besorgt zu sein? Das fragt unser Mitarbeiter den Jazzer vorab.

Herr Düppe, muss man damit rechnen, dass da 90 Minuten nichts anderes zu hören sein wird, als die Stille im eigenen Kopf? Oder vielleicht nur einige Töne, langsamst gespielt, wie in der Kirche St. Burchardi im nahen Halberstadt?

Lustig, dass Sie die Kirche in Halberstadt ansprechen. Für die Stiftung dort werden wir im September zu Cage Geburtstag spielen, am 5.9. Und zwar nicht nur Stücke des Quartetts. Wir werden stilistisch so unterschiedlich wie nur denkbar agieren. Und dann wird die Reihenfolge der Stücke ausgewürfelt. Das hat alles direkt mit Cage zu tun! Ja, so offen und humorvoll war er. Es gibt halt viele Zugänge zu seiner Musik und viele Ansätze, sich von der Musik ansprechen zu lassen. Die Musik von DANCING BEAUTY wurde inspiriert von Wort-Zitaten und Denkweisen von Cage, als Komponist kommt er aber nicht drin vor (würde ich jedenfalls sagen), bis auf eine besondere Stelle im Konzert. Das wird hier aber nicht verraten. Es wird ein – wenn auch stellenweise etwas besonderes – Jazzkonzert werden.

John Cage hielt nicht viel vom Jazz. Jazz müsse sich dem Publikumsgeschmack beugen. Tue er das nicht, würde er zu E-Musik werden, wäre also kein Jazz mehr. Ärgert Sie so eine Sicht der Dinge?

Nein, Cage hat sich ja über jede Art von Musik geärgert, die auf irgendeine Art musikalisch vorhersehbar war, wo man nur ahnen konnte, wo die Melodie oder der Rhythmus hingehen werden. Da scheidet dann zum Beispiel schon mal jede Musik aus, die ein festes Tempo hat; das reicht dann von Mozart über Stravinsky bis hin zu James Brown und David Bowie. Da bleibt also nicht mehr viel an Musik über, die wirklich völlig unberechenbar daherkommt. Deshalb hat er sich ja zeitlebens als Komponist damit beschäftigt, diese Unberechenbarkeit den Ausführenden seiner Kompositionen irgendwie unverbindlich vorzuschreiben und dabei spannende Modelle entdeckt.

Muss Orientierung am Publikumsgeschmack Musiker automatisch verderben?

Ich kenne keinen Künstler, der überhaupt nicht reflektiert, wie sein Schaffen beim Publikum ankommt. Es kommt letztlich auf die Grundmotivation an, die einer hat, wenn er „Kunst“ schafft. Und diese sollte sich Inhalten widmen.

Ihre Musik wird hoch geschätzt. Sie wurden mit der aktuellen CD DANCING BEAUTY zum ECHO JAZZ 2018 nominiert, erhielten in diesem Jahr sogar den WDR-Jazzpreis für Improvisation. Trotz oder wegen Cage? Anders gefragt: Wäre Ihre Musik auch ohne den Cage’schen Überbau denkbar?

Ja, auf jeden Fall kann man sich das aktuelle Album anhören, auch wenn man den Inspirationsquell John Cage nicht kennt. Cage gibt dem ganzen einfach eine weitere Ebene und hat mir beim Komponieren geholfen; nämlich sehr geradlinig zu komponieren und mir selber und meinen musikalischen Ideen wirklich treu zu bleiben. Der Bezug zu Cage hat der Musik dieses Albums Kraft gegeben.

Sound on Screen Special – CHASING TRANE – THE JOHN COLTRANE DOCUMENTARY

Universum Filmtheater, Neue Straße 8, 38100 Braunschweig

CHASING TRANE – THE JOHN COLTRANE DOCUMENTARY
Regie: John Scheinfeld, USA 2016, 99 Min., OmU

BeitragsbildAuf der Jagd nach Coltrane: “Chasing Trane” erzählt das musikalisch reiche und menschlich bewegte wie bewegende Leben des legendären Saxophonisten und Erneuerers des Jazz.

“Ein Muss nicht nur für alle Coltrane- und Jazz-Fans, sondern im Grunde genommen für jeden, der sich ernsthaft für die bleibende Musik des 20. Jahrhunderts interessiert” (Variety). Mit Bill Clinton, Carlos Santana, Kamasi Washington, Wynton Marsalis, McCoy Tyner u.a.

Featured by Initiative Jazz Braunschweig!

Anschließend im Café Riptide: die Jazz-Band „Ascension“
(Marcel Reginatto: Bassklarinette, Alt-Saxophon – Friedrich Kuhn: Gitarre – Mingus Worthy: Bass – Maximilian Schneider: Schlagzeug)
 

Turn feat. Nils Wogram

Roter Saal im Schloss, Schlossplatz 1, 38100 Braunschweig

Jonathan Hofmeister – Piano, Synthesizer
Florian Herzog – Kontrabass
Jan F. Brill – Schlagzeug
Nils Wogram – Posaune

BeitragsbildTURN hat die Klangwelten von Keith Jarrett, Peter Erskine und Paul Bley absorbiert, neben der Jazz-Tradition Einflüsse aus Rock, Pop und Elektronik integriert und Bass und Schlagzeug von der Begleitrolle emanzipiert. Im Gegensatz zu anderen jedoch bleiben Jonathan Hofmeister, Florian Herzog und Jan F. Brill nicht dort stehen. Instinktsicher loten sie die Register des Trioklangs nach neuen Farben aus, drehen und wenden vermeintlich vertraute Formen und finden immer wieder überraschende Wege zwischen schwebender Klang-Improvisation, raffiniertem Gewebe und treibendem Groove. Ein pulsierender Basslauf zerstäubt plötzlich zur kollektiven Klangwolke, und bevor man weiß, wo oben und unten ist, rollt ein monströser Groove vorbei und pflügt das Feld für eine zauberhaft zarte Melodie.

Auf seiner Tour im Mai 2019 hat das Trio den international bekannten Posaunen-Star Nils Wogram dabei. Das Publikum kann sich also auf ein Klaviertrio freuen, das um Posaune und Synthesizer erweitert ist, einen ganz eigenen Sound präsentiert und gleichzeitig fest im Jazz verwurzelt ist.

Jonathan Hofmeister, Florian Herzog und Jan F. Brill begegneten sich 2012 während des Studiums an der Musikhochschule Köln. Über das Instrumentalstudium hinaus erforschen sie seitdem traditionelle und innovative Aspekte des Klangkörpers Trio. 2014 gewann TURN den Kompositionspreis beim Jazzpreis Biberach. Ihre im Juni 2014 im Kölner „Loft“ aufgenommene Debut-CD ist im April 2016 im Rahmen der Next Generation Reihe (JazzThing) auf dem Label Doublemoon erschienen. Im Sommer 2015 gewannen sie den europäischen Jazzpreis „Conad“ und tourten durch Europa (Konzerte u.a. auf Umbria Jazzfestival, Jazzwoche Burghausen, Jazzrally Düsseldorf).

Nils Wogram genoss gleichzeitig eine Klassik- wie Jazz-Ausbildung. Bereits im Alter von 16 Jahren war er Mitglied des Bundesjugendjazzorchesters, gründete eigene Bands und gewann Preise bei „Jugend musiziert“. Von 1992 bis 1994 studierte er in New York und schloss seine Ausbildung 1999 an der Musikhochschule Köln ab. Seit dieser Zeit hat er 23 Alben unter seinem Namen veröffentlicht. Wogram, der einer der führenden Posaunisten in der Welt des Jazz überhaupt ist, lehrt an der Musikhochschule Luzern.

Karten:
- Musikalienhandlung Bartels, Braunschweig, Schlosspassage 1, Tel.: 0531 / 125712
- Touristinfo Braunschweig, Kleine Burg 14, Tel.: 0531 / 470-2040
- Konzertkasse Braunschweig, Schloss-Arkaden & Schild 1a, Tel.: 0531 / 16606
- Online über eventim
- Abendkasse
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Eintritt: Abendkasse 20 € / 18 € (ermäßigt) / 10 € (Schüler*innen & Studierende)

Mit freundlicher Unterstützung:
Hoffmann Maschinen- und Apparatebau GmbH
Kulturinstitut der Stadt Braunschweig

Gefördert durch die Initiative Musik gemeinnützige Projektgesellschaft mbH mit Projektmitteln der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien.

 
Bildrechte TURN: Jonathan Hofmeister

Omer Klein Trio

Roter Saal im Schloss, Schlossplatz 1, 38100 Braunschweig

Omer Klein, Piano
Haggai Cohen-Milo, Bass
Amir Bresler, Schlagzeug

BeitragsbildJazz aus Israel macht seit einiger Zeit weltweit Furore. Zur ersten Reihe der israelischen Musiker gehört der Pianist Omer Klein. Sein klassisch besetztes Trio mit Haggai Cohen-Milo am Kontrabass und dem Schlagzeuger Amir Bresler gehört zu den wichtigsten akustischen Formationen des aktuellen Jazz.

Bei seinem Konzert in Braunschweig stellt das Trio sein gerade erschienenes Album „Radio Mediteran“ vor, dessen neun Stücke alle aus der Feder von Omer Klein stammen. Die Kompositionen schlagen stilistisch einen weiten Bogen, der von Modern-Jazz-Klavierspiel bis zu Balkan-Einflüssen und arabischer Volksmusik reicht. Durch den erstmaligen Einsatz von Percussions und Synthesizern kommen diesmal weitere Aspekte hinzu.
Dass diese abenteuerfreudige Mischung so gut funktioniert, liegt nicht nur an Kleins Klavierkünsten, sondern auch an der thematischen Klammer. Die Songs kreisen um das Mittelmeer. „Meine Band und ich haben einen sehr persönlichen Bezug zu diesem Meer: Wir alle sind in seiner Nähe aufgewachsen“, so Omer Klein. „Haggai, Amir und ich hören nach einem Konzert oft noch gemeinsam im Hotel Musik. Während der Tour zu ‚Sleepwalkers’ fiel mir auf, dass ein Großteil der Stücke, die wir uns vorspielten, aus Nordafrika, dem Balkan oder der arabischen Welt stammten.“ Diese Erkenntnis legte den Grundstein für „Radio Mediteran“.
Omer Klein entwickelte eine Faszination für das Mittelmeer, studierte seine Geschichte, besann sich eigener Erinnerungen, ging den kulturellen Verbindungen und Vermischungen nach und hörte dabei immer wieder die Musik dieser Region. „Nach und nach erschien mir das Meer wie ein geheimer Kontinent, ein Kulturkreis, der viel mehr Gemeinsamkeiten hat, als sich viele Länder bewusst machen.“

Ein folkloristisches Album ist es dennoch nicht geworden, denn so Omer Klein: „Ich wollte diese Musik nicht kopieren. Wir haben eher versucht, sie aufzusaugen und in einen neuen, persönlichen Kontext zu bringen, um am Ende vielleicht gar ein neues Genre zu schaffen.“

Das – darauf lassen sie ersten Hörproben schließen – scheint dem Omer Klein Trio überzeugend zu gelingen.

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Karten:
- Musikalienhandlung Bartels, Braunschweig, Schlosspassage 1, Tel.: 0531 / 125712
- Touristinfo Braunschweig, Kleine Burg 14, Tel.: 0531 / 470-2040
- Konzertkasse Braunschweig, Schloss-Arkaden & Schild 1a, Tel.: 0531 / 16606
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Eintritt: Abendkasse 20 € / 18 € (ermäßigt) / 10 € (Schüler*innen & Studierende)

Mit freundlicher Unterstützung:
GOD Gesellschaft für Organisation und Datenverarbeitung mbH
Kulturinstitut der Stadt Braunschweig

Bildrechte Omer Klein Trio: Peter Hönnemann

Kritik zu Nguyên Lê „Streams“ Quartet

Raffinierte Alchemie
Das Nguyên Lê -Quartett „Streams“ überzeugt mit einer ganz eigenen Fusion von Welten unter dem Dach des Jazz

Nguyên Lê – französischer Jazz-Gitarrist mit vietnamesischen Wurzeln. Zum dritten oder vierten Male in Braunschweig. Die Gelehrten streiten da noch. Unstreitig aber: Wiederum ausverkauftes Konzert. Das lässt stutzen. Es geht schließlich um Jazz. Man nennt ihn „Weltmusiker“, „personifizierte Fusion der Kulturen“ oder „Ethno-Jazzer“. Das aber riecht doch sehr nach Schön-Töner. Was er mitnichten ist.
Recht arglos klingt die Konzerteröffnung. Er lade ein zu einer „Journey to different places“, zu einer Reise an verschiedene Orte. Und so reisen wir musikalisch nach Marokko z. B., zu den Buddha-Figuren von Bamiyan, ins China der Ming-Dynastie, nach Martinique. Aber auch zu „sehr exotischen Stationen“, wie J.S. Bachs „Goldberg-Variationen“, in die „Hippocampus“-Welt, wobei in der Schwebe bleibt, ob es die Welt der Seepferdchen oder die der Gedächtniszentrale im menschlichen Hirn ist. Oder mit „Subtle Body“ zu den Alchemisten, zu jenen, die aus Stein Gold machen wollten, wie Lê erläutert.
Eine gute Bezeichnung für ihn selbst. Subtle, also raffiniert, feinsinnig, ausgetüftelt – das trifft diesen Mann hervorragend. Die uralte Gwana-Musik aus dem Maghreb, indische Ragas, vietnamesische und chinesische Phrasierungen, Rock und Funk, europäisch-romantischer Tanz, das sind die Steine, die Nguyên Lê bearbeitet. Aber nicht als folkloristische Adaptionen oder in Form stilistischen Wildwuchses, sondern als organisch strukturierte Musik auf der Höhe der Zeit, auch mit deren technischen Mitteln.
Ob das immer Gold wird, sei dahin gestellt. Die Bach-Bearbeitung wirkte etwas bemüht. Ganz anders aber „6h55“ mit seiner raffinierten Polyrhythmik oder das Amalgam aus Funk, Rock ‚n‘ Roll und ostasiatischen Skalen in „Swing a Ming“.
Ungewöhnliche Dialoge etwa zwischen Gitarre und Schlagzeug („Mazurka“), aufreizende Brüche zwischen ostinaten Figuren, minimalistischen Melodien am Bass bzw. Vibraphon und explosiven Ausbrüchen daraus(„Bamiyan“). Wahre musikalische Zwei-, wenn nicht gar Vierkämpfe. Das war es, was das Publikum begeisterte. Die Ausgestaltung der kreativen Freiheit, die den einzigartigen Reiz dieses Genres ausmacht.
Natürlich ist Nguyên Lê ein Ausnahmegitarrist und großartiger Musiker. Aber es wäre alles nichts, hätte er mit dem US-Amerikaner John Hadfield (Schlagwerk), dem Kanadier Chris Jennings (Kontrabass) und dem Franzosen Illya Amar (Vibraphon) nicht ausgesprochen hochklassige Partner im Quartett vereint. Knackige Grooves, bei denen man nicht weiß, wer wen antreibt, sphärisch-entrückende Klänge und vor allem ein absolut sicheres Interplay begeistern das Publikum und nicht zuletzt auch die Musiker selbst.

Klaus Gohlke

Nguyên Lê „Streams“ Quartet

LOT-Theater, Kaffeetwete 4a, 38100 Braunschweig

*** Konzertbeginn im LOT-Theater ist künftig bereits um 19:00 Uhr ***

Nguyên Lê – E-Gitarre, Elektronik
Illya Amar – Vibraphon
John Hadfield – Schlagzeug
Chris Jennings – Kontrabass

Beitragsbild„Streams“ heißt das neue Quartett, das der in Paris lebende Gitarrist Nguyên Lê geformt hat. Das musikalische Ziel der Band ist die Verschmelzung von Jazz und der Musik anderer Kulturen. Dabei geht es den Musikern nicht um exotische Effekte, sondern darum, einen stimmigen und zeitgenössischen Ausdruck zu erzeugen – also Ströme (Streams) der verschiedensten Kulturen aufzugreifen und musikalisch zu verschmelzen. Der Fokus liegt bei eigenen Kompositionen, die von Nguyên Lês vielfältigen Erfahrungen musikalischer Grenzüberschreitungen genährt werden. Die Wurzeln der afro-amerikanischen Musik, des Blues und des Bebop, aber auch die Einflüsse von Bela Bartok und Claude Debussy finden Widerhall.

Die Musiker von „Streams“ sind tief im Jazz und der Weltmusik verwurzelt. Nguyên Lê – bereits mehrmals in unterschiedlichen Projekten bei uns in Braunschweig zu Gast – wurde in Paris als Sohn vietnamesischer Eltern geboren. Er kommt vom Jazz und hat in den letzten 20 Jahren zahlreiche Projekte über Vietnam, Nord- und Westafrika, Westindien, Türkei, Indien, Japan und Korea geleitet oder war daran beteiligt.

Schlagzeuger John Hadfield aus New York stammt aus der Kansas-City-Jazztradition um den Saxophonisten Bobby Watson. Er bereiste intensiv Indien, Peru, die Mongolei, den Mittleren Osten und Indonesien, um die Rhythmen und Instrumente jener Kulturen zu erlernen.

Kontrabassist Chris Jennings ist Kanadier und lebt in Paris. Er hat sich mit Dhafer Youssef, Karim Ziad, Bojan Z, Kudsi Erguner oder dem algerischen Chaabi-Orchestra „El Gusto“ einen Namen gemacht.

Der französische Vibraphonist Illya Amar arbeitete mit Musikern aus Indien, Argentinien, Vietnam und Brasilien zusammen. Zurzeit arbeitet er an Arrangements jüdischer Musik.

Für die Musiker von „Streams“ ist der Jazz wegen seiner Offenheit und seiner Integrationskraft die beste musikalische Form, um den Dialog über die Kulturen hinweg zu festigen.

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Karten:
- Musikalienhandlung Bartels, Braunschweig, Schlosspassage 1, Tel.: 0531 / 125712
- Touristinfo Braunschweig, Kleine Burg 14, Tel.: 0531 / 470-2040
- Konzertkasse Braunschweig, Schloss-Arkaden & Schild 1a, Tel.: 0531 / 16606
- Online über eventim
- Abendkasse
- und weitere ...

Eintritt: Abendkasse 25 € / 22 € (ermäßigt) / 10 € (Schüler*innen & Studierende)

Mit freundlicher Unterstützung:
POMPE OPTIC
Kulturinstitut der Stadt Braunschweig

Bildrechte Nguyên Lê: Uli Fild

Interview mit Daniel Erdmann

Ludwig XIV., de Gaulle und Napoléon jazzen

Das Trio „Das Kapital“ des Ex-Braunschweiger Saxofonisten Daniel Erdmann präsentiert seine neue CD „Vive La France!“

„Das Kapital“ nennt sich das renommierte Jazz-Trio um den Ex-Braunschweiger Saxofonisten Daniel Erdmann. „Das Kapital“? Welches? Marxens Opus Magnum oder was? Das Trio stellt demnächst im Braunschweiger LOT seine neue Produktion vor. Titel: „Vive la France!“. Weshalb? Was steckt dahinter? Klaus Gohlke beseitigt im Gespräch mit Erdmann alle Unklarheiten.

Die neue CD von „Das Kapital“ heißt „Vive la France!“ Dabei posiert das Trio auf dem Cover-Foto verkleidet als Ludwig XIV., Napoléon und Charles de Gaulle. Ist das eine politische Aussage?

Wir sind drei europäische Musiker, die in Frankreich leben, es ist eine Hommage an die Musik unseres Heimatlandes. Wir verpacken das ganze aber auf unsere Weise, etwas provokant, sicher aber eher lustig gemeint.

Die Musik scheint ein Gang durch die französische Musikgeschichte zu sein, vom 16.Jh.bis zur Gegenwart. Warum diese Art Wanderung durch die Jahrhunderte? Und – wie sind Sie auf diese Auswahl gekommen?

Wir wollten wirklich die volle Bandbreite zeigen und ein abwechslungsreiches Programm präsentieren. Jeder von uns hat Vorschläge eingebracht, und wir haben dann die Stücke aufgenommen, mit denen alle einverstanden waren.

Sie spielen ja Instrumentalmusik. Bei den Chanson-und Pop-Referenzen fehlt somit der Text. Geht damit nicht Entscheidendes bei den Interpretationen verloren?

Ich finde, dass der Sinn der Texte oft sehr stark musikalisch umgesetzt ist, und wir haben versucht, das noch mehr herauszuarbeiten.

„Das Kapital“ ist ein Jazz-Trio. Wie kommt der Jazz in diese Kompositionen?

Wir spielen eigentlich die Melodien ziemlich genau wie im Original, allerdings mit den Stilmitteln des Jazz. Aber wir versuchen, dem Original gerecht zu werden. Das Trio hat auch eine eigene Art zu spielen entwickelt, etwas zwischen den Stilen, eine akustische Musik ohne Grenzen.

Können Sie kurz die französische Jazzszene charakterisieren? Gibt es signifikante Unterschiede zu Deutschland?

Meiner Meinung nach gibt es in Frankreich verschiedene Jazzszenen, die sich jetzt langsam anfangen zu mischen. Ich denke, das Leben als Musiker ist in Frankreich etwas anders, weil das System anders funktioniert. Kurz gesagt, ist man dort generell als Künstler mehr in staatliche Systeme eingebunden.

Geboren sind Sie in Wolfsburg. Haben Sie noch einen Bezug zu dieser Region?

Ich bin ja in Braunschweig aufgewachsen. Ich habe hier keine Familie mehr, aber kürzlich war ich für einen Tag zu Besuch in der Stadt und habe Orte der Vergangenheit besucht. Das war sehr schön, denn mir ist da aufgefallen, dass ich in einer tollen Stadt aufgewachsen bin. Der Tag begann im Heidberg, wo ich in der Raabeschule war, und endete bei Bolle in der Bassgeige. Also freue ich mich umso mehr auf das Konzert in der alten Heimat!

Klaus Gohlke

Das Kapital

LOT-Theater, Kaffeetwete 4a, 38100 Braunschweig

*** Konzertbeginn im LOT-Theater ist künftig bereits um 19:00 Uhr ***

Daniel Erdmann, Tenorsaxophon
Hasse Poulsen, Gitarre
Edward Perraud, Schlagzeug

Beitragsbild„Das Kapital“ präsentiert bei uns die Musik seines aktuellen Projekts „Vive la France“- und das sehr eigenwillig: Wann haben Sie zum letzten Mal „La mer“ oder „Ne me quitte pas“ gehört? Patrick Hernandez’ Disco-Knaller „Born To Be Alive“ oder „Comme d’habitude“, die französische Vorlage zu Sinatras Ego-Hymne „My Way“? Die erste „Gymnopedie“ von Impressionismus-Ikone Satie oder Stücke aus Renaissance und Barock, etwa von Lully? Egal, wie lange es her sein mag, so wie hier waren diese „Hits“ aus rund 430 Jahren Musikgeschichte noch nie zu erleben. Das Kapital, weithin gefeiert als versiertes Jazztrio mit charakteristischem Ausdruck, transzendiert die höchst unterschiedlichen Vorlagen in seinen eigenen Kosmos. Mit hintersinnigem Witz schneidert die Band den Stücken ein hinreißend neues Klanggewand, das ursprüngliche Genrezugehörigkeiten vergessen lässt oder gar absichtsvoll konterkariert. Etwa wenn das ehemals hedonistische „Born To Be Alive“ unvermittelt Blues-Züge annimmt oder „Vertigo“, 1746 von Joseph-Nicolas-Pancrace Royer geschrieben, plötzlich zu rattern beginnt wie eine Punkjazz-Parodie.

Bekannt wurde die 2002 gegründete pan-europäische Band der Individualisten mit eigenwilligen Eisler-Interpretationen. Auf zwei Alben transferierten Erdmann, Poulsen und Perraud 2009 und 2011 Songs des legendären Komponisten Hanns Eisler ins Jazz-Idiom. Für ihren ironischen Biss auf „Ballads & Barriades“ wurde die Band mit dem Jahrespreis der deutschen Schallplattenkritik ausgezeichnet. Auch bei ihren folgenden Studio-Produktionen, zuletzt Ende 2015 „Kind Of Red“ mit durchweg eigenen Kompositionen, ließen die meinungsfreudigen, vielfach preisgekrönten Virtuosen ihre politische Haltung durchschimmern. Natürlich beziehen sie sich dabei auch auf Traditionslinien des freien Jazz. Man denke nur an jene Musiker in den Vereinigten Staaten, die einst der afro-amerikanischen Bürgerrechtsbewegung nahe standen. Oder an die europäische Freejazz-Bewegung der späten Sechziger.

Inhaltlich erweist „Das Kapital“ nun der populären Musik seiner ersten respektive zweiten Heimat Referenz. Edward Perraud wurde in Nantes geboren, der in Wolfsburg geborene Berliner Daniel Erdmann ist schon länger überwiegend in Reims ansässig und der Däne Hasse Poulson lebt, nach Boston und Kopenhagen, seit Jahren in Paris. „Der Titel der Platte ist natürlich ironisch gemeint. Es ist doch total absurd, dass Nationalisten jetzt an vielen Orten wieder stärker werden“, sagt Daniel Erdmann. „Manche der Stücke, die wir eingespielt haben, mögen zum nationalen Kulturgut Frankreichs gehören, aber sie sind sicher kein Soundtrack zu Patriotismus.“

Ein zentrales Element der Musik von „Das Kapital“ ist Sound. Erdmanns Tenorsaxophon fesselt durch sein warmes, tiefgründiges Timbre, eine latente, eruptive Energie und pointiert angerauten Ausdruck. Perraud weiß dank klassischer Schlagwerkausbildung, wie man neben rhythmischen auch klingende Akzente setzt. Poulsen spielt filigrane, gezupfte Motive auf der akustischen Gitarre, streicht flirrende Töne mit dem Geigenbogen, entlockt der E-Gitarre harsche Riffs oder greift zur Mandoline. Das Trio kennt keine Tabus, wechselt von melodischen zu abstrakten Passagen, vereint Stilmittel unterschiedlicher Genres. Was aber am wichtigsten ist: alle hören einander zu, gehen auf Ideen der anderen ein. So entsteht eine wunderbare Transparenz und gleichzeitig seltene atmosphärische Dichte, die live (in ausgedehnteren Improvisationen) umso spektakulärer wirken kann.

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Karten:
- Musikalienhandlung Bartels, Braunschweig, Schlosspassage 1, Tel.: 0531 / 125712
- Touristinfo Braunschweig, Kleine Burg 14, Tel.: 0531 / 470-2040
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Mit freundlicher Unterstützung:
Kulturinstitut der Stadt Braunschweig

Bildrechte Das Kapital: Das Kapital

Nachruf auf Norbert “Bolle” Bolz

Ein letzter Blues

70jährig verstarb vorgestern die Lichtgestalt der Braunschweiger Jazzszene Norbert „Bolle“ Bolz

Die Nachricht verbreitete sich nicht nur in Jazzkreisen in Windeseile: „Bolle ist tot!“ Kaum vorstellbar: Norbert Bolz, wie er eigentlich hieß, diese Personifikation des Jazz in Braunschweig, ist nicht mehr. Dieser Urtyp, der so gar nichts von sich hermachte! Graugescheckter Bart, altersgemäß ausgedünnter Haarwuchs, fransig, aber immer noch lang hängend, scharfer Brillenblick unter kritisch gefältelter Stirn, gern kariert gehemdet, so stand er hinter der Theke. Spröde im Umgang oft, aber, war das Eis dann gebrochen – was für ein gesprächiger Mann! Und welch phänomenales Gedächtnis, was Menschen, Orte, Musik betraf!

Bolle, das ist für die meisten die Braunschweiger „Bassgeige“. Für Musiker wie Szenegänger immer noch eine Kultstätte. Seit über vierzig Jahren ist dieses Lokal „eine Topadresse des hart swingenden Jazz mit amerikanischen, europäischen und natürlich deutschen Musikern!“, wie Thomas Geese, Kenner der Szene, urteilt. Eine Kneipe urigen Eigensinns, ein Bolle-Spiegelbild, wenn man es recht besieht.

„Jazz“, sagte er im Gespräch, „der lebt nur, wenn er gespielt wird. Der lebt in Clubs! Aber – das braucht auch jemandem, der dafür brennt!“ In der Tat, für Blues und dann vor allem für den Jazz hat dieser Mann immer gebrannt. Als er, der gelernte Schriftsetzer, später sein Studium als Zapfer in der Braunschweiger Szenekneipe „Dreampipe“ finanzierte, entwickelte er seinen Traum von einer eigenen an die große Tradition der US-amerikanischen Clubs anknüpfenden Spielstätte.

Und so entwickelte er eine Art Blues-und Jazz-Netzwerk. Lockte Blueslegenden und internationale Jazzgrößen in seine „Bassgeige“, die zugleich immer auch der Brennpunkt für die regionale-, lokale- und Session-Szene war. Und obwohl der Laden auftrittstechnisch und akustisch eher wie ein Problemfall wirkte, sahen die Musiker und Fans das ganz anders. Bolle und die „Bassgeige“ gleich Kult. „Es geht nicht um Kohle, es geht um die Mucke, verstehst du?“ Das war die Leitlinie. Deshalb Raucherkneipe, sparsame Möblierung. Gab’s keine Live-Mucke, legte er selbst auf. Vinyl selbstverständlich. Mehr als 7000 Scheiben hatte er angesammelt. „Das wird alles gepflegt hier, muss alles so bleiben, wird nichts verändert!“, war seine Devise für mehr als vierzig Jahre.

Das hatte etwas, war aber völlig konträr zu neueren Club-und Musikentwicklungen. Bolle stemmte sich gegen den Zeitgeist, was viel Idealismus und vor allem viel Kraft verlangte. Und so stemmte er sich auch gegen seine schwere Erkrankung. „Ich mache hier weiter, bis ich tot umfalle!“, sagte er trotzig vor zwei Jahren im Gespräch. Mit Hilfe seiner Freunde und vor allem seiner Lebensgefährtin, Karin Schlesiger, erlebte er seinen 70. Geburtstag noch in seinem Lebensmittelpunkt, der „Bassgeige“. Welch ein Verlust ! Was aus der Kultstätte wird, ist mehr als ungewiss.

Klaus Gohlke

Interview mit Angelika Niescier

Diversität bereichert den Jazz

Das Gleichstellungsproblem im Jazz aus der Sicht der engagierten Saxofonistin Angelika Niescier

Jazz sei nicht tot, meinte Frank Zappa einst, er röche nur komisch. Wenn man auch nur oberflächlich schaut, wer denn den Ton in diesem Genre angibt, dem kann es schon gewaltig stinken. Eine Männerdomäne nach wie vor. Symposien, Panels, Podiumsdiskussionen beschreiben das Gleichstellungsproblem detailliert. Was aber ist praktisch zu tun? Fragen wir dazu Angelika Niescier, renommierte Jazz-Saxofonistin und in Sachen Gleichstellung engagiert, die demnächst auch in Braunschweig mit ihrem italienischen Trio auftritt.

Frau Niescier, die Staatsministerin für Kultur und Medien, Monika Grütters, sagte in Bezug auf die Genderdebatte: „Wenn sich die Kultur als die Avantgarde der Gesellschaft verstehen möchte, müsste sie auch in diesem Punkt voranschreiten!“

Abgesehen von der Frage: „Was ist eigentlich Avantgarde?“, muss ich dazu bemerken: Wenn es ein Grundzug dieser Gesellschaft ist, dass Mann und Frau in vielen Bereichen nicht gleichgestellt sind, wieso soll das gerade in der Kunst, beim Jazz anders sein? Jazz ist Teil dieser Gesellschaft, insofern spiegelt er auch deren Probleme wider.

Wenn bei 24 in Braunschweig beobachteten Jazzkonzerten 75 Männer und nur 6 Frauen auftraten, kann ich Ihnen nur zustimmen.

Das Ganze ist jetzt zum Glück wieder im Fluss. Zurzeit beschäftigen sich auch Musiker*innen intensiv mit dem Thema und versuchen die Strukturen zu verändern.

Es gibt bei Veranstaltern Überlegungen zur Einführung von Quoten.

Die Debatte um Quote ist nötig, um auf die Schieflage in der Präsentation aufmerksam zu machen. Es bleibt aber ein Werkzeug. Viel wichtiger ist es, das Mindset weiterzuentwickeln und endlich zu kapieren, dass Diversität, in welchem Bereich auch immer, bereichert. Die Durchführung ist dann die einfachere Aufgabe.

Was kann das denn praktisch heißen für die Konzertveranstalter vor Ort?

Der Veranstalter hat dafür zu sorgen, unterschiedlichen Stimmen, die am musikalischen Diskurs beteiligt sind, Gehör zu verschaffen. Das bedeutet im Einzelnen, die eigenen stereotypen Entscheidungsgewohnheiten zu hinterfragen; sich umzuhören, den Horizont zu erweitern. Je mehr Veranstalter*innen und Musiker*innen sich an diesem Diskurs beteiligen, desto diverser wird das Bild der Musik. Das hat natürlich einen Rückkoppelungseffekt auf die Gesellschaft.

Können Veranstalter von ihrer Seite her Hilfen erhalten?

Ja, wir sind dabei, Netzwerke aufzubauen. Wichtig ist vor allem, dass Frauen auf der Bühne stehen. Dass sie sichtbar sind. Außerdem: Warum werden wir Frauen eigentlich immer zu diesem Thema befragt und nicht bzw. kaum die Männer? Ich will darüber reden, welche Art von Musik ich hier mit meinem Trio spielen werde. Welche Einflüsse sie widerspiegelt, wie Diversität sich in ihr ausdrückt und entwickelt. Nicht darüber, welches Geschlecht, welche Hautfarbe und dergleichen eine Rolle spielt.

Interview: Klaus Gohlke

Kritik zu Angelika Niescier Trio „NOW“

Absolute Hingabe an die Sache, höchste Professionalität

Das Angelika Niescier Trio „NOW“ demonstriert überzeugend, was es heißt, gegenwärtigen Jazz zu spielen

Ohne Umschweife: Das war ein herausragendes Konzert, das das Angelika Niescier Trio „NOW“ am Freitagabend im Roten Saal ablieferte. Allein die Besetzung machte neugierig. Wie geht das zusammen – zwei Melodieinstrumente? Insbesondere das Akkordeon als Jazzinstrument – das ist nicht gänzlich neu, aber es hat doch eine Art Geschmäckle. Zumindest das Odium des Weltmusikalischen (was immer das auch sein soll) haftet ihm an, wenn nicht gar des Heimatabends. Wie geht das mit einer Angelika Niescier zusammen, die doch überhaupt gar nicht für ein musikalisches Walla-la-weia steht?

Nun, das ging ganz hervorragend, und zwar ganz einfach deshalb, weil das Trio Gegenwarts-Jazz spielt. Was hier meint: Jazz, der offen für alle Einflüsse ist, ohne beliebig zu werden. Der sich seiner Traditionen bewusst ist und die Grenzen zur Musik der Moderne selbstbewusst überschreitet.

Niescier, gewissermaßen von Natur aus eher heftig sprudelnder Quell denn breiter dahin fließender Fluss, zeigte dabei ein schier unerschöpfliches Repertoire musikalischer Ausdrucksmittel gepaart mit stupender instrumenteller Fertigkeit. Greifen manche Musiker beim improvisatorischen Suchen gern auf repetitive Muster zurück, bei ihr findet man das nicht. Wer mit ihrer Ideenproduktion mithalten will, muss schon sehr früh aufstehen.

Für Simone Zanchini am Akkordeon aber kein Problem. Gut, er spielt ein elektrifiziertes Instrument, aber warum soll diese technische Möglichkeit der Gitarre etwa vorbehalten sein? Und weil es gewissermaßen semi-akustisch ist, kann es auf Volkstümliches evozieren und es sofort auch transzendieren. Zanchini verfügt ebenfalls über ein komplexes musikalisches Repertoire. Er musiziert mit Niescier auf Augenhöhe. Und so vermögen sie zu monologisieren, zu dialogisieren, dass dem Publikum beinah schwindelig wird.

Darunter, dahinter, wie auch immer, liegt der alles erdende Bass. Es ist harte Arbeit, die rhythmisch komplexen und sich dauernd verändernden Kompositionen zu grundieren, zumal, wenn da der Anspruch besteht, nicht zu simplifizieren. Es geht mitnichten darum, irgendwelche ostinate Ausdauer zu demonstrieren. Stefano Senni, schafft den Raum, den seine Mitspieler benötigen, sich zu entfalten. Seine Soli zeigen, dass er dem Powerplay seiner Mitspieler durchaus Paroli bieten kann.

Insgesamt ist das Interplay beeindruckend. Natürlich – das Trio hat große Spielerfahrung, Man kennt sich schon lange. Aber es geht ja um mehr: nämlich ums Aufeinander-Hören, um Ideen-, um Impulsverarbeitung, um Einfühlung. Zwischenmenschlich und thematisch. Auch wenn man die Musik nicht immer zugänglich finden mag: Allein wegen der oben beschriebenen Aspekte gebührt den drei Musiker*innen großer Respekt.

NOWs Musik ist gegenwärtig. Sie erstickt nicht mit Abstraktionen, biedert sich nicht an. Vielmehr erlaubt sie beim Zuhören eigenes Assoziieren. Die mitunter metrische Vertracktheit, der Wechsel der Rhythmen, des Tempos lässt an Musik des Balkans denken. Die schnellen Harmoniewechsel, deren Erweiterungen und Brechungen erinnern fast an Bebop-Zeiten. Die feinen Melodielinien dazwischen wirken wie das Aufscheinen allerdings kaum zuordbarer Musik. Tonalitäten werden verwischt, es gibt abstrakte Klangcollagen und Effekte. Sakrale Orgelmusik erklingt. Es ist Musik, die ein Nachdenken über Existenzielles widerspiegelt bzw. dazu motiviert. Und schließlich und wahrlich: Nicht zuletzt ist die Musik politisch, wenn man an das „Tribute to Guiseppe Pinelli“ denkt oder aber an die Bezüge zur syrischen Kampfzone um Latakia und die Demokratieprobleme hier im türkischen Kontext. Kunst als Kind oder Mutter der Freiheit?! Vieles konnte einem da durch den Kopf gehen, wenn man wollte.

Und dann nach dem Konzert noch ein Ohr für die Begeisterten zu haben, vor allem wenn man bedenkt, unter welch völlig inakzeptablem zeitlichem Anreisestress die drei standen: das ist mehr, als man erwarten kann. Anders ausgedrückt: absolute Hingabe an die Sache, höchste Professionalität. Begeisterung allüberall.

Klaus Gohlke

Angelika Niescier Trio “NOW”

Roter Saal im Schloss, Schlossplatz 1, 38100 Braunschweig

Angelika Niescier – Saxophon
Simone Zanchini – Akkordeon
Stefano Senni – Kontrabass

BeitragsbildAngelika Niescier ist seit langem eine der aufregendsten Stimmen im deutsche Jazz. 2010 mit dem deutschen Musikpreis ECHO ausgezeichnet, ist sie eine der wenigen, die auch im Mutterland des Jazz, den USA, auf Interesse stoßen. 2017 bekam sie den renommierten Albert-Mangelsdorff-Preis. Die Saxophonistin ist eine Virtuosin mit einem wandlungsfähigen, beweglichen Ton, quicklebendig, überschäumend und einfallsreich. Stilsicher wechselt sie zwischen freier Improvisation und zeitgenössischer Komposition. Als Komponistin entwirft sie detailversessen, farbenfroh und konsequent hochgradig komplexe musikalische Räderwerke.

Das Trio mit den beiden italienischen Kollegen, mit dem sie nun NOW vorstellt, ist einem glücklichen Zufall geschuldet: Ein Kompositionsauftrag für das „Südtirol Jazzfestival Alto Adige“ brachte Angelika Niescier im Juli 2012 mit Stefano Senni und Simone Zanchini zusammen, die sie sich für diesen Anlass erwählt hatte: „Das war von Anfang an aufregend“, erinnert sie sich an die erste Begegnung bei Bozen. Simone und Stefano seien „sehr entspannt und doch hochkonzentriert“ gewesen. Entsprechend war das Konzert. Und entsprechend war auch der Drang, sich „noch weiter in den in das Projekt hinein zu begeben und dem Konzert eine CD-Produktion folgen zu lassen: NOW.

Stefano Senni legt am Bass die unerschütterliche Basis, während Akkordeonist Zanchini mal tangoartig melancholisch, mal rasend schnell zusammen mit Angelika Niescier das Spektrum zwischen folkloristischen Elementen, swingendem Jazz und Avantgarde auslotet – überaus unterhaltsam, spannend, originell, modern und traditionsbewusst.

» Weitere Informationen

Karten:
- Musikalienhandlung Bartels, Braunschweig, Schlosspassage 1, Tel.: 0531 / 125712
- Touristinfo Braunschweig, Kleine Burg 14, Tel.: 0531 / 470-2040
- Konzertkasse Braunschweig, Schloss-Arkaden & Schild 1a, Tel.: 0531 / 16606
- Online über eventim
- Abendkasse
- und weitere ...

Eintritt: Abendkasse 20 € / 18 € (ermäßigt) / 10 € (Schüler*innen & Studierende)

Mit freundlicher Unterstützung:
Kulturinstitut der Stadt Braunschweig

Bildrechte Angelika Niescier Trio: Arne Reimer